Auf BILD seinen Nacken gegen den Rassismus – really?

Am vergangenen Samstag fand die alljährliche Berlinale-Party der BILD-Zeitung (@placetob) statt. Champagnertrinken auf Julian Reichelt seinen Nacken für gute Kontakte, Jobs und am wichtigsten: die Gunst der mächtigsten Tageszeitung des Landes. Pater-Noster-Metapher, ihr wisst. Same procedure as every year. Doch dieses Jahr war es anders.

Kurz nach dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau, bei dem zehn Menschen ermordet wurden, mit jener sehr mächtigen Tageszeitung zu feiern, die die letzten Jahre ein Klima erzeugt hat in dem Muslime, Flüchtlinge und Arme dämonisiert und kriminalisiert werden, fühlte sich für viele falsch an. Boykottaufrufe wurden laut, einige Influencer, Schauspieler und andere Prominente blieben der Party fern. Viele aber kamen trotzdem. Ihre Gründe sind nachvollziehbar, Pater-Noster-Metapher, ihr wisst. Und darum geht es hier heute auch nicht.

Hier geht nicht um jene, die sich nicht trauten, einfach mal die BILD-Party zu schwänzen, sondern um jene, die meinten, GERADE hinzugehen wäre doch das bessere Statement. GERADE vor Ort mit der Springer-Presse zu diskutieren, ein Pappschild hochzuhalten, auf dem #noracism gefordert wird, das sei doch das viel größere Zeichen und überhaupt – Boykottaufrufe, DAS ist die wAhRE HeTzE.

actually.not

Die BILD-Zeitung hat keine politische Agenda. Oder besser formuliert: Die einzige politische Agenda, die man im Springer-Turm verfolgt, ist Auflage. Was sich verkauft, wird gedruckt. Wenn Rechtsruck, Islamfeindlichkeit und Klassizismus gerade trendet, dann macht man eben mit der Dämonisierung von Shisha-Cafés, „Messer-Moslems“ und „Luxus-Hartzern“ seine Schlagzeilen. Wenn gerade ein „geistig verwirrter“ Rassist zehn Leute ermordet hat, dann eben mit Trauerbekundungen um jene Leute, die man in den Jahren zuvor erbarmungslos verfolgt hat.

Ergo ist es der BILD auch scheißegal, ob ihr ein #noracism Schild vor der Fotoleinwand hochhaltet – denn sie druckt es einfach nicht. Stattdessen werben sie danach mit den Gesichtern der Promis in eigener Sache, wie „bunt“ die diesjährige Party doch gewesen sei und waschen sich selbst rein. Und Julian Reichelt wischt sich mit einem Stack lila Scheine die Lachtränen aus den Augenwinkeln.

2020 müsste das beliebte Zitat der Friedensbewegung, „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ ein Update bekommen. Stell dir vor, es ist BILD-Party und keiner geht hin.

DAS wäre ein Zeichen gewesen.

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