Corona Tracing

Ab heute gibt es die Corona-Tracing-App in Deutschland, im Laufe des Vormittags stellt die Bundesregierung den digitalen Heilsbringer offiziell vor. Wie funktioniert das Teil? Ganz einfach: Alle Smartphones, auf denen die App installiert ist, tauschen via Bluetooth ein verschlüsseltes Signal aus. Erkrankt man an COVID-19, trägt man dies in die App ein – und alle Handys, die in einem bestimmten Zeitraum mit dem des Erkrankten in Kontakt waren, werden alarmiert. (Starkes FAQ auch in der Süddeutschen Zeitung von Simon Hurtz).

Klingt gut! Klar, die App kommt etwas spät, aber damit bremsen wir die Pandemie endgültig aus! Oder?

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Ganz so einfach ist es nicht. Die Tracing-App muss nämlich noch ein paar Hürden überspringen. Die vielleicht höchste? Überhaupt installiert zu werden.

Dafür wird die Regierung Millionen in Marketing-Zeugs investiert haben. Die nächsten Tage wird das blau-rot-weiße Corona-App „C“ euch überall begegnen, you heard it here first. Und in den App-Stores wird die App wohl ganz oben stehen, das hat der SPIEGEL herausgefunden, vor Instagram, Tinder & dem Farming Simulator 14 (why the fuck ist das so hoch geranked im App Store?`)

Nur: Wer die vergangenen Wochen durch Deutschland gestreift ist, weiß genau, dass für viele Deutsche Corona längst aus dem Kopf ist. Wer wirklich glaubt, die Landwehrkanal-Raver seien Tracing-App-Material, lebt irgendwo. Aber nicht in der Realität.

Noch ernster könnte aber sein, dass niemand weiß, ob die App überhaupt wirksam ist. Wissenschaftlich ist das laut Eva Grill, der Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, nämlich nicht bewiesen. In Ländern, in denen es bereits Apps gibt (Australien oder Singapur, zum Beispiel), fallen die Ergebnisse nämlich ziemlich ernüchternd aus.

Auch die deutsche App setzt die sogenannte doppelte Freiwilligkeit voraus: Freiwillig downloaden UND freiwillig eintragen, wenn man infiziert ist. Einem Volk, das seit Wochen den Weg aus dem Lockdown fordert, obwohl es nie einen Lockdown gab, so viel soziale Verantwortung aufzutragen – mehr als gewagt.

Die Angst davor, was am Ende mit deinen Daten passiert und wie sehr Bewegungen überwacht werden, steht dabei auch noch im Raum. Der größte Kritikpunkt, die Frage ob die App Open Source ist, wurde gelöst. Unter bester Moderation von @netzpolitik.

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