Lieber Jan, zurück unter die Rheumadecke GroKo

Lieber Jan, zurück unter die Rheumadecke GroKo

IMG_4245Ich fühle mit dir, wie mit allen, die den No-Fap-November ertragen. Der 1. Dezember wird hoffentlich auch in der Politik ein kollektives Abspritzen auf die endlich getroffene Einigung … auf … ja auf? Die GroKo.

Doch zurück? Frau Merkel beklagt die fehlenden guten Worte, wie schön es doch war. Was man alles erreicht habe. Gemeinsam.

Die SPD ziert sich, ist beleidigt ob der ökoliberalen Wunschvorstellung nach Jamaika durchbrennen zu können. Denn gerade dein geliebter Lindner war nur ein Ausflug. Ein heißes Abenteuer. Eine Phantasie. Die Union kann sagen: „Es ist doch gar nichts passiert, Schatz. Wir haben nur geredet. Der erotische Sexy-Snap mit Lindner war wirklich eine einmalige Sache.”

Klassisch angelockt, aber dann im richtigen Moment, noch vor der sonntäglichen Liebesnacht aus dem Staub gemacht. Jetzt sind sich CDU/CSU nach den wenigen Wochen auf dem freien Markt aber sicher: Früher war alles besser. Den Lindner haben sie längst vergessen. Für einen Königsmacher hält ihn keiner außer er selbst. Dafür ist auch der alte Traum von 18% zu lange her. Zu weit weg.

Den Soli in dieser Wahlperiode abschaffen wollte er, danach eine Steuerreform. Dann der Soli als Bedingung. Ersatzlos. Aber als die FDP merkt, dass ein solches Geschenk für die Reichen nicht geht, als viertstärkste Kraft, die Union, die „Steuern nicht erhöhen“ will um das auszugleichen. Da nimmt sie den Federhut, die Stola und schickt Lindner zum nächsten Fotoshooting.

In knapp einer Woche hat sich die SPD auch ausgetobt. Eine Oppositionsführung schon nicht mehr Auftrag, sondern Drohung und Faustpfand. Die GroKo soll teuer werden. Zurück ins warme Nest für das man abgestraft wurde. Für das 14% weniger dem Pärchen zuschauen wollten. Das sollte nicht machtpolitisch teuer werden, sondern dem Wähler Weihnachtsgeschenke bringen.

Die GroKo wurde abgewählt. Da kann man als Kanzlerin noch so viele Interviews mit Youtube-Influencern führen. Alle gucken weg. Nur die perversen von Rechts geilen sich auf am neuen völkischen Parlamentarismus, wo Flüchtlingsabkommen mit Assad gefordert werden. Der Machtrausch ist spürbar. Das Selbstbewusstsein auch.

Dem kann sich eine Not-GroKo nicht in den Weg stellen. Das können nur alle Parlamentarier zusammen. Ihrem Gewissen unterworfen und nicht ihrer Fraktion. Thematische Mehrheiten finden, sich auch mal was schenken. Eine warmer Kuss hier, eine Rose da. Streiten und mit Tellern werfen. So lässt sich regieren.

Eine GroKo wollen laut Umfrage der BamS 52% der Deutschen. 39% sind dagegen. FDP und Grüne verlieren in dieser Umfrage je 1%. Die GroKo-Parteien legen 1% zu. Je häufiger das Wort Regierungskrise fällt, je mehr von stürmischen Zeiten gesprochen wird und je mehr man auf Lindner eindrischt, desto mehr Angst hat auch der Wähler. Dann doch lieber ins warme Nest zurück. Sich umsehen und wieder feststellen, dass doch alles ganz gut läuft in diesem Deutschland und dann in vier Jahren wieder darüber reden, wie unerträglich und langweilig doch eine GroKo ist.

Ich dagegen will etwas geboten kriegen, eine Show, einen echten Kampf der Ideen. Wo Merkel sich auf internationalem Parkett mit einem Konsens vorstellen muss. Beauftragt von einer Mehrheit des Bundestags, der sie jagen soll, bevor es ein großer böser Wolf tut. Und dann können wir alle entspannt Weihnachten feiern, während die AfD tief im Wald das Rotkäppchen anlockt, das nicht kommt.

Lieber Jan. Das wünsche ich mir zu Weihnachten. Und trotzdem bekomme ich wie jedes Jahr Socken. Denn die brauch ich. In Berlin ist es kalt.

Mit wärmenden Grüßen

Dein Freund

Christoph

 

 

Als Antwort auf Jan. “LIEBER CHRISTOPH, DIE FDP FÄLLT UM”