Mali: Soldaten auf Sicherungsmission

Mali: Soldaten auf Sicherungsmission

Der mittlerweile größte Auslandseinsatz der Bundeswehr ist auch ihr gefährlichster. Mehr als 15000 Soldaten kämpfen in Mali im MINUSMA-Einsatz der Vereinten Nationen, 745 davon sind aus Deutschland. Die Mission: Die Zivilbevölkerung schützen, den politischen Dialog fördern und die staatliche Ordnung wiederherstellen.

Am 17. Mai fliege ich gemeinsam mit dem Reportage-Fotograf Markus Heine nach Mali. Bei der einwöchigen Reise mit der deutschen Bundeswehr wollen wir herausfinden, wie die Bundeswehr zivile Infrastruktur schützt und wie die Bevölkerung darauf reagiert. Weil die Stadt Gao das größte Drehkreuz für Flüchtende aus Westafrika ist, werden wir ihre Situation in Gao untersuchen. Wir wollen wissen, was die Bundeswehr für diese Menschen tut. Was wir in Mali erleben, könnt Ihr begleiten, auf:

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Wieso herrscht Krieg in Mali?

Am 2. Mai 2017 gerieten Soldaten der malischen Armee im Herzen des Landes in einen Hinterhalt. Islamistische Milizionäre griffen den Konvoi mit Raketen an und töteten acht Soldaten in der Nähe der Stadt Nampala. Kurz zuvor hatte die französische Armee noch stolz Erfolge vorgewiesen, nachdem sie im April 20 islamistische Kämpfer getötet hatte. Sie hatten sich in einem Wald an der Grenze zu Burkina Faso versteckt. Der Wald Foulsaré ist derzeit eines der wichtigsten Rückzugsgebiete der Islamisten, die mit Verbindungen in andere Länder der Region und im Namen von Al-Quaida im islamischen Maghreb (AQIM) agieren.

Rebellen feierten Erfolge

Dass sich die Islamisten in Wädern verstecken müssen, hat mehrere Gründe. Sie haben ihre Verbündeten verloren, sie kämpfen gegen eine internationale Koalition und gegen die französische Armee. Zu Beginn des Krieges in Mali, 2012, waren die Islamisten Teil einer Volksbewegung. Die Touareg, ein halbnomadisches Wüstenvolk, das in mehreren Ländern an der Sahara lebt, hatten den Aufstand gewagt. Die Nationale Bewegung zur Befreiung des Azawad (der nördliche Teil Malis, in dem mehrheitlich Araber und Touareg leben) hatte sich nach dem Sturz des libyschen Diktators Muammar Gaddafi mit Waffen der libyschen Armee eingedeckt. Zusammen mit der islamistischen Gruppe Ansar Dine eroberten sie den gesamten Norden Malis und drohten auch auf die Hauptstadt Bamako vorzurücken. Im Norden errichtete Ansar Dine eine Terrorherrschaft in den Städten Tibuktu und Gao. Aus den Städten im Norden wurden die Touareg vertrieben, die den Kampf für die nationale Befreiung geführt hatten. Die Islamisten übernahmen das Ruder.

In Timbuktu zerstörten sie antike Mausoleen, Jahrhunderte alte Bibliotheken und zwangen die Menschen in ein Leben unter der Scharia. Mit der Vertreibung der Touareg aus den Städten des Nordens, spaltete sich die Nationale Bewegung zur Befreiung des Azawad (MLNA) ab. Ihre Städte konnten sie Ansar Dine nicht mehr entreißen. Die Verteidiger waren zu mächtig und auch die malische Armee verfügte nicht über genügend Feuerkraft, um den Bürgerkrieg zu gewinnen.

Nach vielen militärischen Erfolgen der Islamisten im Norden hat das Militär in Bamako geputscht. General Sanogo und seine Truppen umstellten den Präsidentenpalast und verkündeten über einen Radiosender, sie hätten den Staat übernommen. Sie warfen der Regierung Unfähigkeit im Kampf gegen die Rebellen vor. Eine strikte Ausgangssperre von 18 bis 6 Uhr wurde verhängt und die neue Militärregierung schloss alle Grenzen, sowie den Flughafen Bamako. Cheick Modibo Diarra, bis 2011 Microsoft-Geschäftsführer Afrika, übernahm im April 2012 die Leitung der Übergangsregierung als Ministerpräsident. Malischer Präsident wurde Diancounda Traoré.

Die Sahel-Zone

Die Sahel-Zone

Frankreich greift ein

Im Januar 2013 bat Mali Frankreich offiziell um Hilfe im Kampf gegen die Rebellen im Norden. Die Opération Serval begann, mit dem Segen der Vereinten Nationen. Laut dem französischen Verteidigungsministerium sind an Opération Serval mehr als 4500 französische Soldaten beteiligt. In nur einem Jahr befreite die französische Armee zusammen mit Truppen der ECOWAS, der Wirtschaftsunion Afrikanischer Staaten, alle großen Städte im Norden Malis. Dabei unterstüzte auch der Tschad unabhängig von der ECOWAS den Einsatz mit 2000 Soldaten. Die islamistischen Milizen wurden in die Wüste verdrängt und verstecken sich im Grenzgebiet zu Burkina Faso.

Das Sicherheitsproblem

Seit Sommer 2014 läuft die Nachfolgemission der Franzosen: Opération Barkhane, zu deutsch Sicheldüne. Ziel soll sein, in der gesamten Sahelzone gegen Terroristen vorzugehen. Dazu werden in Burkina Faso, Tschad, Mali, Mauretanien and Niger insgesamt 3000 französische Soldaten stationiert. Laut des französischen Verteidigungsministeriums soll in keinem dieser Länder ein “sicherer Hafen” für Terroristen entstehen. Doch Frankreichs Einsatz ist nicht uneigennützig. Der staatliche Atomriese Areva besitzt Uranminen im Norden Nigerias, ca. 200 km vom Rückzugsgebiet der Islamisten entfernt. Auch weil die Interessen des französischen Atomkonzerns bedroht sind, griff Frankreich 2013 ein. Mit Opération Barkhane soll die französische Armee nun für Sicherheit in der gesamten Sahelzone sorgen.

Auch die Vereinten Nationen haben mit der Resolution 2164 eine Sicherungsmission in Mali gestartet. Im Januar 2017 wird klar, wie schwierig die Lage nach wie vor ist. Die gemeinsame Militärbasis der malischen Armee und ehemaliger Touareg-Milizionäre wurde zum Ziel eines Autobombenanschlags. 77 Kämpfer und Militärangehörige wurden getötet. Der MINUSMA-Einsatz, an dem sich Deutschland im Camp Castor in Gao mit 745 Soldaten beteiligt, ist mit 118 gefallenen Blauhelmsoldaten der verlustreichste Einsatz der Vereinten Nationen. Der Gegner agiert aus dem Untergrund. Aus dem Bürgerkrieg wurde ein Kampf gegen den Terror.