Post für Seehofer

Post für Seehofer

Drei schlotternde Monate lang hatte Horst Seehofer darauf gewartet, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel auf seinen Brief antworten würde. Bei Nachfragen von Dritten, ob denn wirklich und tatsächlich immer noch nichts angekommen sei, grummelte er, er gehe eben nicht jeden Tag „zuallererst zum Briefkasten.“ Und jetzt, wo es endlich soweit ist, kann er sich über seine Post nicht einmal freuen.

Merkel schreibt auf drei Seiten – und das ist schon die erste Frechheit: Drei Seiten, wo er doch sechs geschrieben hatte, auf bestem Briefpapier mit goldener Prägung und Stempel – sechs Seiten, nicht drei, sechs. Na, jedenfalls auf drei Seiten schreibt sie völlig an dem vorbei, was er wollte, schreibt nicht einmal ein bisschen in die richtige Richtung. Würde man den Briefwechsel humorvoll aufbereiten, ginge er so:
Seehofer: „Liebe Angela, ich meine es ernst.“
Merkel: „Lieber Horst, ich meine Bratwurst.“

Nun ist das Ganze für Seehofer selbst ein bisschen peinlich geworden. Er wollte keine Bratwurst, sondern Grenzen, Zusagen und Verbindlichkeit. Herrje, er hatte seinen Brief sogar veröffentlichen lassen, damit er auch ja ankomme. Und mit einer Klage gedroht, falls Merkel nicht auf ihn einginge. Wie viel weiter kann man jemandem eigentlich entgegenkommen? Nach der Post aus Berlin gefragt, schnappte Seehofer: „Es ist nicht so, dass bei uns große Hektik ausbricht, wenn aus dem Kanzleramt ein Brief eingeht.“ Den Brief lasse er erstmal von seinen Beamten auswerten, er selbst werde ihn „im Laufe der Tage“ irgendwann lesen.

Was den Vorteil hat, dass die Beamten ihm alle Fragen schon vorher beantworten können: Gibt es Rechtschreibfehler, Fingerabdrücke oder Geheimtinte auf der Rückseite? Riecht das Papier nach Schinken, oder Kartoffeln? Wie viel Zeit sollte vergehen, bevor er antwortet? Sollte er überhaupt antworten? Und schließlich: Ist der Brief beleidigend? Dann nämlich, könnte der Bayrische Ministerpräsident den Konflikt auf die nächste Stufe stemmen. Angela Merkel müsste sich vor Gericht verantworten, aufgrund von Paragraph 103 des StGB – Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts. Denn: „Mia san mia, und uns kann keiner was sagen!“ Eines hat der Briefwechsel der beiden Politiker immerhin jetzt schon gezeigt: Ein Postkasten voller Rechnungen ist manchmal gar nicht so schlimm.

Foto: flickr/Sludge G (CC BY-SA 2.0)