Gott, Gott Gott Gott

Gott, Gott Gott Gott

Gottesstaaten sind ungemütlich. Singen und Köpfen, Beten und Vergewaltigen – so vergehen die Tage. Dabei ist der Weg des IS nicht zwingend. Alles könnte ganz anders sein. Wie genau, das möchte der türkische Parlamentspräsident Ismail Kahraman (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung, AKP) scheinbar selbst herausfinden.

Dass die Verfassung der Türkei, ein Überbleibsel des Putsches von 1980, geändert werden soll, fordern fast alle politischen Kräfte im Land. Leider ist man sich über das „Wie“ viel weniger einig. Präsident Recep Erdoğan (AKP) hätte gern ein Präsidialsystem mit Allmachts-Bonus für seine Wenigkeit. Sozialdemokraten und Liberale hingegen wünschen sich Menschenrechte. Dagegen wirkt Kahraman bescheiden, ja, zu bescheiden, fast demütig. Alles, was er will, ist Gott: “Wir sind ein muslimisches Land. Als Konsequenz müssen wir eine religiöse Verfassung haben“, schwärmt er und fügt hinzu, dass eine solche Verfassung dann mit dem Wörtchen „Gott“ zu beginnen hätte.

Hier nun, möchte man sich wirklich wundern über so viel Inkonsequenz. Warum es beim ersten Wort belassen, wenn danach ein zweites kommt, und ein drittes? Ist Kahraman etwa kein gläubiger Muslim? Das wäre eine Überraschung, immerhin rief er schon im Februar 1969: “Wir haben gegen die Kommunisten den Dschihad eröffnet!“ Das war, als er einen islamistischen Mob anführte, der mit Messern und Knüppeln eine linke Demonstration angriff und dabei zwei Studenten tötete.

Aber heute: Wo brennt das Öl, wo gießt das Feuer? Was ist mit diesem Mann passiert? Wie lässt sich erklären, warum er so stark startet und derart schwach endet? Eine gottesfürchtige Verfassung – das klingt nach Mut und Gerechtigkeit und Entwicklung! Aber dass die Verfassung Gottes weitere Worte bräuchte, grenzt an Lästerung. „Des Menschen erstes Wort war A, und hieß fast alles, was er sah, z.B. Fisch, z.B. Brot, z.B. Leben oder Tod“, schrieb Christian Morgenstern und wenn es mit „A“ ging, dann muss es mit „Gott“ doch zweimal gehen! Die Türkei sollte also mit gutem Beispiel voran schreiten. Und Deutschland wird folgen.

Denn auch hier enthält das Grundgesetz zu viele Worte. Aus dem Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ wird einfach: „Gott Gott Gott Gott Gott Gott“. Und aus dem eckigen: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich“ wird ein cremiges „Gott Gott Gott Gott, Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott.“ Es ist so einleuchtend, logisch unbestechlich, deutlich und schlau. Zu schlau, als dass dieser Text darauf verzichten könnte, dem eigenen Rat zu folgen. Denn Gott Gott Gott, Gott Gott Gott Gott. Gott Gott Gott. Gott Gott Gott Gott Gott Gott – Gott Gott Gott Gott Gott.

Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott; Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott. Gott Gott Gott Gott, Gott Gott Gott, Gott Gott? Gott Gott! Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott, Gott, Gott, Gott. Gott Gott Gott Gott. Gott Gott Gott (Gott) Gott. Gott Gott Gott, Gott Gott Gott Gott. Gott Gott Gott. Gott Gott Gott Gott Gott Gott. Gott Gott Gott Gott Gott. Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott; Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott. Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott Gott, Gott, Gott, Gott. Gott Gott Gott.

 

Foto: Jakob Lawitzki (CC BY-SA 2.0)