Friede durch Selbstdarstellung

Todenhöfer hält einen Vortrag. Ude entgleitet sein Format einer Podiumsdiskussion.

Jürgen Todenhöfer ist ein durchweg guter Mensch. Er hat viel Einfluss, beste Kontakte und nutzt seine Mittel für den guten Zweck. Dementsprechend groß ist seine Fangemeinde und erstmals ist Christian Udes Podiumsreihe “Politik der Woche” bis auf den letzten Platz ausverkauft. Der ehemalige Oberbürgermeister hat mit diesem Format ein Projekt aus seiner Studentenzeit in den 60er Jahren wiederbelebt und tritt mit einflussreichen Personen des Zeitgeschehens ins Zwiegespräch. Gestern lud er sich den vielbereisten und selbsternannten IS-Experten in den Carl- Orff-Saal des Münchner Gasteig ein.

Jürgen Todenhöfer und Christian Ude gemeinsam auf der Bühne. Foto: Alescha Birkenholz

Jürgen Todenhöfer und Christian Ude gemeinsam auf der Bühne. Foto: Alescha Birkenholz

Christian Ude bietet seinen Kurs “Politik der Woche” seit Frühjahr 2015 regelmäßig an der Münchner Volkshochschule an. Diesmal sind die Veranstalter von den vielen Besuchern überrumpelt. Todenhöfer hatte die Bedenken seiner Fans, nicht mehr reinzukommen, aufgegriffen und kurz vor der Veranstaltung bei Facebook geschrieben, jeder bekomme einen Platz. Auch wer kein Ticket habe, komme unter. Davon wusste der Veranstalter allerdings nichts und muss die Verteilung der Sitzplätze schnell organisieren. Auch auf der Bühne nehmen Zuschauer Platz.

Ein wenig überfordert wirkt nach kurzer Gesprächszeit auch Christian Ude. Todenhöfer verwebt viel von den Erlebnissen seiner Reise im Islamischen Staat mit Allgemeinplätzen antiimperialistischer Politik. Kein gutes Haar lässt er dabei an Medien, Politikern und dem Westen per se. “Wir werden garnicht mehr informiert aus unseren Medien.” Mit Sätzen wie diesen bedient er die Empörung seiner Fans. Zustimmendes Raunen geht durch den Saal. Ude widerspricht nicht, denn auch er hatte bei seinem schwachen Wahlkampf 2013, mit den Medien so seine Differenzen. Todenhöfer kann sich deshalb lang und breit über den Westen auslassen, ohne dass Ude ihn stoppt.

Allerdings erwähnt Todenhöfer auch keine der Recherchen der Süddeutschen Zeitung, des WDR und des Spiegel, die zuletzt die Ausweisdokumente des islamischen Staates an Tageslicht brachten. Da muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er nach 10 Tagen im Islamischen Staat eigentlich keine neuen Informationen über die Terrormiliz liefern kann. Er erzählt zwar schockierende Details zu den Machenschaften des IS, habe sich aber bewusst keine dieser Handlungen angesehen.

So respektvoll man dem Friedensaktivisten Todenhöfer für seine Arbeit gegenübertreten muss, so kritisch muss man sich auch mit seiner allgegenwärtigen Meinung auseinandersetzen. Das tut Christian Ude nicht. Er nickt viel ab und überlässt seinem sprachgewaltigen Gast die Bühne. Die Fans finden das klasse, aber von einer lebhaften Diskussion ist nichts zu spüren. Dem Gastgeber muss man aber zugute halten, dass Todenhöfers Fachkenntnis und sein geschichtliches Wissen, ihn zum Teil unangreifbar machen. Da kann der ehemalige Bürgermeister nicht kontern und will das vermutlich auch nicht. Gegen die Fangemeinde hätte er ohnehin keine Chance.

Für die Zukunft sind weitere hochkarätige Gäste bei “Politik der Woche” geladen. Gregor Gysi dürfte dabei ein Highlight werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich Christian Ude dann ein wenig streitlustiger zeigt.