Schlammschlacht statt Dusche

Schlammschlacht statt Dusche

Ist nach Köln “alles anders”? Muss der Pressekodex geändert werden? Sollen Straftäter bei ihrer Herkunft genannt werden? Nix da, hat der Presserat diese Woche geantwortet. Und dafür ordentlich Kritik kassiert. Ein Kommentar.

Fast ein Vierteljahr ist seit Silvester vergangen. Und noch immer sucht die deutsche Presse nach einem Lappen, um den Dreck abzuwischen, den die Vorwürfe à la „Lügenpresse“ an ihre weißen Fassaden schmieren. Jetzt wird behauptet, die Richtlinie 12.1 des Kodex gehöre abgeschafft. Die rät, die Herkunft von Verdächtigen nur zu nennen, wenn sie dem Verständnis der Nachricht dient. Das sei Selbstzensur, schreit es nun, und führe direkt zu „sowas wie nach Köln“.

Doch der Presserat will nicht. Er hat entschieden, nichts an Ziffer 12.1 zu ändern. Warum einige Redaktionen deshalb so einen Affentanz machen, verstehe, wer will. Immerhin ist 12.1 kein Verbot, sondern eine Orientierung. Wer einen Kompass hat, ist frei, ihn zu ignorieren und in eine andere Richtung zu schippern. Man muss dann nur besser aufpassen. Schließlich ist nicht nur wichtig, dass etwas gesagt wird, sondern auch wie. Die Herkunft zu nennen, ist noch keine Diskriminierung, Nationalität ist keine Beleidigung. Wer schreibt, dass Deutsche jemanden ausgeraubt haben, verhindert mitunter die falsche Interpretation von leerem Raum.

„Wenn dumme Menschen einen Fehler vermeiden wollen, begehen sie den entgegengesetzten“, sprach Horaz. Nach Silvester haben viele Menschen vieles falsch gemacht. Polizei, Agenturen, Redaktionen, soziale Medien: Bis zum 04. Januar wehte kaum ein Lüftchen Richtung Köln. Mit dem Pressekodex hatte das nichts zu tun. Dass man nun diskutiert, weil Fehler gemacht wurden, ist gut. Aber wir müssen sorgfältig bleiben, um nicht dumm zu sein. Denn die Presse darf vieles. Den eigenen Dreck an Minderheiten abwischen – das dürfen wir nicht.