Foto: en.kremlin.ru

Keine deutsche Version von “Putin´s Kleptocracy”

Karen Dawisha hat einmal ein Buch geschrieben. “Putin´s Kleptocracy”. Es geht um das System staatgelenkter Korruption in Russland. Auf Englisch wurde das Buch schon veröffentlicht. Auf Deutsch wird es aber voraussichtlich nicht erscheinen. Der Verlag hat Angst.

Karen Dawisha hat ein Buch geschrieben. Es heißt “Putin´s Kleptocracy -- who owns russia?” Sie wollte diesen Titel, wie schon sieben andere Bücher, beim Camebridge University Press veröffentlichen. Der Verlag hatte ihr jedoch im letzten Jahr bereits geschrieben:

“Nach Beratung mit den Kollegen aus der Rechtsabteilung, die das Manuskript sowohl aus amerikanischer als auch aus britischer juristischer Perspektive überprüft haben, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass wir uns nicht imstande sehen, Ihr Buch zu veröffentlichen. Unsere Entscheidung hat nichts mit der Qualität Ihrer Forschung oder Ihrer wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit zu tun. Es handelt sich schlicht um eine Frage der Risikotoleranz angesichts unserer beschränkten Ressourcen.” 

gefunden in F.A.Z. (Fr. 4.3.2016) von Jan Plamper

Karen Dawisha; Foto: Wikipedia

Karen Dawisha; Foto: Wikipedia

Also musste sich Dawisha anderweitig umsehen und fand mit “Simon & Schuster” einen risikofreudigeren Verleger. Doch auch dieser Verlag, der im Verlegernetzwerk CBS Corporation ist, traut sich nicht, das Buch global zu verbreiten. Auch hierzu ein bemerkenswertes Zitat, das Jan Plamper (Prof. für Geschichte am Goldsmith College University of London) in seinem F.A.Z.-Artikel verarbeitet.

Simon & Schuster wolle nicht “das Risiko auf sich nehmen, das Buch auf Märkten zu fördern, wo es weniger Schutz vor Verleumdungstourismus gibt, als durch den ersten Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung über Meinungsfreiheit garantiert ist.” 

- Jan Plamper

Putins Netzwerk ist “not amused”

"Putin´s Kleptocracy" - Karen Dawisha

“Putin´s Kleptocracy” -- Karen Dawisha

Die Angst von Verlegern, auf Unsummen verklagt zu werden, sind groß. Denn was steht denn eigentlich drin im Buch?

Mit detaillierten Quellen und Verweisen erzählt Dawisha den Werdegang des Systems Putin. Sie deckt das korrupte Netzwerk, das Putin in den 90er Jahren von Sankt Petersburg aus eingerichtet hat. Durch Einsetzen guter Freunde in hohe Regierungsämter hat sich eine Herrscherclique etabliert, in die auch die deutsche Wirtschaft verwoben ist. Zum Einen Deutsche mit Stasi-Vergangenheit und zum Anderen aber auch Simens.

Mit den Enthüllungen in “Putin´s Kleptocracy” tritt Dawisha natürlich einigen mächtigen Politikern und Wirtschaftsbossen auf die Füße. Die Gefahr verklagt zu werden, ist also hoch.

Was uns dabei beunruhigt, ist, dass aus Sicht des Verlags das Grundgesetz und die Meinungsfreiheit in Deutschland nicht belastbar genug sind um dieses Buch zu verteidigen. Beunruhigend!

Hier das Buch.

Was sind Eure Gedanken dazu?