Ain’t no Party like a CSU After-Work Party

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Wie wurden wir verachtet, als wir unseren Freunden erzählten, dass wir Donnerstag auf die “Lounge in the City Party” powered by CSU im P1 gehen. Die Vorurteile wiegen schwer bei unseren links-liberalen Bekannten. Doch als junger Journalist darf man sich von sowas nicht beeindrucken lassen. Wir gehen auch dort hin wo es weh tun könnte. Und wenn die größte Partei Bayerns mit freiem Eintritt und Welcome Drink ins Oanser lädt und zusätzlich noch “Gäste aus Politik und Wirtschaft” verspricht -- kann man dann noch nein sagen?


Im Gegensatz zur mittlerweile legendären Seehofer Party 2012, bei der 2012 nur etwa 150 Journalisten und 350 Zivilisten ihren Weg in Münchens Schampus-Club Nummer 1 fanden, war gestern der Laden bumsvoll. 3.200 Gäste hatten sich vorher mit ihrer Mail Adresse für die Gästeliste angemeldet. Natürlich ist eine Gästeliste etwas sinnfrei, wenn der Eintritt ohnehin umsonst ist, aber hier geht es vielleicht um das geile Gefühl, einmal an der P1 Tür etwas lauter als nötig verkünden zu können, dass man freilich auch auf der Gästeliste zu finden ist.

Im weitläufigen Außenbereich herrscht großes Gedränge. Junge Erfolgstypen mit Sprizz in der Hand und Schleim in den Haaren stehen am Eingang Spalier und bewerten die noch jüngeren, blonden Damen, die gerade schnatternd mit ihren Freimarken Richtung Bar steuern.

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Das Publikum ist ein heiterer Mix aus so richtig alten CSU-Dinos, die bestimmt schon Franz-Josef huldigten und überraschend junger Party-Elite. Dazwischen vereinzelte Familien mit rausgeputzten Kindern in knuffigen Sommerkleidchen. Die Anzugträger haben in jedem Fall eine fette absolute Mehrheit, so wie man’s gewöhnt ist. Mit unseren Bomberjacken, Schnauzbärten und dem Jutebeutel sind wir ein echter Hingucker.

Außer einem etwas verunsichert wirkenden Reporter von M94,5 sind keine Kollegen zu erspähen. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner sind wohl doch nicht prominent genug. Das sehen wir natürlich ganz anders und suchen sofort die Nähe zu den ganz großen in der Partei. Nach dem Selfie mit dem bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle fragt er uns noch wo wir herkommen. Wir stammeln irgendwas über Giesing und Gymnasium Kempfenhausen, in der Hoffnung ein Gespräch über Bildungspolitik mit dem Gesicht des G8 in Bayern anzettlen zu können. Doch er nickt uns nur kurz gelangweilt zu und schlendert davon. Mit glasigen Augen schauen wir ihm hinterher. Das ist er also. Ludwig Spaenle der Ewige. Den weder eine Tomate im Gesicht bei seinem Auftritt auf der Bildungsdemo, noch die CSU Verwandtenaffäre aufhalten konnte.

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Dann endlich Andreas Scheuer. Der CSU-Generalsekretär ist der aufsteigende Stern am schwarzen Himmel und ein echter Star auf der Party. Er unterhält sich mit 5 Leuten gleichzeitig, während sein Einstecktuch in der Sommerbrise flattert. “Bayern und  CSU ist (sic!) sehr, sehr eng zusammen. Wir sind eigentlich Eins”, sagte er zu Beginn der Veranstaltung. Er spricht sie noch aus, die Wahrheiten. Mit der Lackfrisur und der runden Brille sieht er einem anderen CSU Shootingstar erstaunlich ähnlich. Wir lauern ihm auf und schlagen zu, als er sich gerade kurz aus dem Bad in der Menge löst. Trotz der fehlende Selfiestange schiessen wir ein Foto, das wir gleich an unsere Familien übermitteln. Papa ruft gleich danach an, sagt mir er sei stolz auf mich. Eine Freudenträne tropft in den Schnauzer, als der Kopf der jungen CSU, also quasi das junge Bayern selbst, in der Menge verschwindet.

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Von links nach rechts: Christoph, Andi, Jan

Jetzt rein in den Club. Überraschend viele Menschen (vor allem ältere Gäste) tanzen schon auf dem Naturstein-Dancefloor. Wir bestellen uns jeder noch ein 0,5l Augustiner für 4,50 € und schmeißen uns in die Menge. Normalerweise gibt es im P1 nur 0,33l Paulaner, doch für die Parteifreunde ist natürlich nur das Beste gut genug. Und so wurden die unergiebigen kleinen Flaschen mal eben für einen Abend aus dem Sortiment genommen. Jung und Alt mischt sich zaghaft. Alle werden betrunkener, der DJ schöpft aus den Vollen. Mit Worten ist die Euphorie kaum zu beschreiben, daher legen wir euch zum besseren Verständnis unser kleines Video ans Herz.

Bei “Welcome to Saint Tropez” singen auch die älteren Semester mit. Scheint in diesen Kreisen eine bekannte Hymne zu sein. Leicht beschwipst holen wir nochmal zwei Bier. Der Barkeeper mit der Melone auf den Kopf und dem gezwirbelten Schnörres verzieht keine Miene, als wir ihn fragen, ob er Spaß hat. Während wir warten, sammeln wir die Blicke der Damen ein, die an der Bar darauf warten, zum Tanzen aufgefordert zu werden.

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Waiting for cute boys…

Wir nehmen zwei Mitte-Zwanzig-Mietzen mit zum Rauchen. Es gibt Prosecco aus ihrer Flasche. Sie seien nur zufällig hier und hätten nicht gewusst, dass die CSU hinter der verlockenden After-Work Party steckt. Nachdem wir das danach noch ein halbes Dutzend mal von einem halben Dutzend anderer Gäste  hören, wollen wir es nicht mehr so ganz glauben. Die Unterhaltung ist nett und endet abrupt, als wir von unseren Freundinnen erzählen.

So volksnah hat sich die CSU wahrscheinlich noch nie gegeben. Dank dieser engagierten Partei waren wir für einen schmalen Taler im P1 und hatten eine richtig gute Zeit. Doch ein fader Beigeschmack dämpft am Tag nach dem rauschenden Fest unser Glück. Die zugehörige Facebook Veranstaltung offenbart Zustände, die uns völlig verborgen geblieben sind. Doch seht selbst:

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Wir können nur hoffen, dass die gesellige Lounge Party nicht zu einem linksextremen Drogensumpf verkommt und nächstes Jahr wieder genau so viel Spaß macht.