Pegida-Spitze löst sich auf! Warum Häme jetzt trotzdem unangebracht ist

Kathrin Oertel ist raus. Raus war sie zwar schon zuvor in vielerlei Hinsicht, doch nun ist sie auch offiziell “raus” -- nämlich aus der Führungsspitze von Pegida. Pegidas Verlust seiner Pressesprecherin und seines -- neben Lutz Bachmann -- bekanntesten Gesichts, weckt nun in vielen Anti-Pegida-Aktivisten eine nachvollziehbare Reaktion aus:

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Klar -- zu sehen, wie sich Pegida im Streit über Machtpositionen, Aufmerksamkeit und Einfluss selbst demontiert, rechtfertigt eine gewisse Schadenfreude und Genugtuung.

Doch wer sich ins Fäustchen lacht, aufgrund der unfähigen Führungsspitze eines idiotischen Vereins, begeht einen gravierenden Fehler: Damit wird das Problem, das Pegida darstellt verharmlost und schon rein gar nicht gelöst. Denn faktisch ändert der Personalwechsel nichts daran, dass eine erschreckend hohe Anzahl an Menschen in diesem Land sich von den Grundideen von Pegida representiert fühlt. Oertel weg -- Probleme weg? So funktioniert es leider nicht.

Der Rücktritt bedeutet nicht, dass plötzlich die absurden Ängste dieser Personengruppe verschwunden sind. Es bedeutet auch nicht, dass sie sich, auf Basis ihrer Unzufriedenheit, nicht mehr in rechte Gruppierungen ziehen lassen, um gemeinsam mittels falscher Schuldzuweisungen bescheuerte Forderungen durchsetzen zu wollen.

Ha Ha -- hat noch nie zu einer produktiven Lösung geführt

Tatsächlich ist die Führung von Pegida nicht relevant -- es sind deren Anhänger, die nun wahrscheinlich dank der Enttäuschung durch deren Führungsfigur noch frustrierter sind, als sie es schon zuvor waren. Und die waren schon vorher kein Quell der Freude.

Wer sich also als Pegida-Gegner versteht, für Toleranz und gegen Rassismus eintreten möchte, sollte sich überlegen, ob Schadenfreude, Häme und blindes Niederbrüllen der “Scheiss Rechten” (die es zweifellos bei Pegida gibt) die richtigen Methoden sind, um die Situation produktiv zu ändern.

Pegida-Anhänger als Nazis zu beschimpfen ist ok -- aber faul

Denn gegen Rassismus zu sein, ist nicht schwer und eigentlich für jeden, der im Besitz eines funktionierenden Gehirns ist, eine Selbstverständlichkeit. Mit eben jenen oben genannten Methoden, erreicht man jedoch nicht viel mehr, als die sowieso schon frustrierte Personengruppe in eine Ecke zu stellen und sie zu beschimpfen. Wie hilfreich das ist, weiß jeder, der als Teenager eine Schule mit einem fiesen Lehrer besucht hat.

Denn wie viel hat der bisherige Umgang mit der Situation gebracht? Pegida verliert meines Wissenstandes nach keine Mitglieder -- im Gegenteil. Jedem Pegida-Mitglied also, das einem begegnet, ein “rechte Sau” (wovon es zweifelsfrei einige bei Pegida gibt) entgegen zu schmettern, ist “alles-über-einen-Kamm-Schererei” und nicht der richtige Weg, zur Besserung. Es ist zwar nachvollziehbar, aber faul.

Vielmehr ist wie immer Kommunikation das Mittel zur Besserung. Aufklärung und der Dialog sind die einzigen Möglichkeiten, die zu einer Besserung führen. Was genau sind eigentlich die Ängste der Pegida-Anhänger? Könnte man sie ihnen vielleicht besser nehmen und sie auf den rechten (pun intended) Pfad zurückführen, wenn man mit ihnen reden würde, sie aufklärt und ihnen zeigt, dass die eigentlichen Bösewichte hier nicht in Asylheimen, sondern in den Chefsesseln sitzen? Vielleicht ist nämlich ein nicht zu verachtender Teil der Pegida-Anhänger zwar etwas weniger intelligent, aber prinzipiell keine “rechte Sau”, sondern einfach nur leicht beeinflussbar, verängstigt und fehlgeleitet. Dass sich Menschen in Deutschland so fühlen und deswegen von rechtspopulistischen Menschen wie der Afd, NPD oder eben Pegida-Spitze und deren Propaganda für deren Zwecke instrumentalisiert werden, ist nicht lustig!!!