Wir brauchen mehr Alternativen!

Die Medien als Kontrollinstitution, Stabilisator und Informant der Öffentlichkeit sind essentiell für einen demokratischen Staat und aus diesem nicht wegzudenken. Auch wenn der Unmut der Bevölkerung über gleichgeschaltete Berichterstattung, schlampige Recherche oder einseitige Darstellungen immer weiter wächst, eine Demokratie ohne das Organ der Presse würde nicht funktionieren. Doch gerade in Zeiten der immer größer werdenden Abhängigkeit von Geldgebern und Interessengruppen sollten sich sowohl Medienmacher, als auch -konsumenten fragen: Welche Rolle spielen die Medien heutzutage? Woher kann ich unabhängige und divergente Informationen beziehen? Und wie lässt sich das bestehende Mediensystem aufbrechen oder umformen?

Den Menschen zum mündigen Wesen erziehen, ihn dazu anregen selbst zu denken, sich eine eigene Meinung zu bilden, aus verschiedenen Blickwinkeln auf Sachverhalte zu blicken, diese einzuordnen und in Folge dessen aktiv zu werden und zu handeln. Auch das zählt zur Aufgabe der Medien. Klingt nach einer komplizierten Aufgabe -- ist es auch. Denn um diese zu erfüllen braucht es unabhängige, unterschiedliche und ungefilterte Informationen, ein buntes Meinungsbild und regen Diskurs. In München erfüllen diese Aufgabe besonders alternative Portale oder Sender. Unter anderem das alternative Informationsportal acTVism Munich.

(c) acTVism Munich e.V.

Zain Raza und Glenn Greenwald (v.l.) (c) acTVism Munich e.V.

Um unabhängig von jeglichen Interessen arbeiten zu können, finanziert sich der gemeinnützige Verein ausschließlich durch Spenden. Echter Journalismus soll gewährleistet werden: demokratisch, kritisch, investigativ, unabhängig. So steht es auf den Flyern, so soll es umgesetzt werden. Damit treffen sie genau den Nerv der aktuellen Informationskultur und bedienen den Hunger nach alternativen Formaten. So war acTVism Munich zum Beispiel das einzige Filmteam vor Ort, als der Journalist, Blogger und Schriftsteller Glenn Greenwald für sein Buch „Die globale Überwachung. Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen“  mit dem 35. Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet wurde und ebenfalls die einzigen, die ein exklusives Interview mit dem  Pulitzer-Preisträger führen durften.

Am vergangenen Dienstag (06. Januar 2015) lud acTVism munich zu einer Diskussionsrunde im Münchener Ampere. An die 200 Menschen kamen um mit Zain Raza und den geladenen Gästen über Themen wie Überwachung und Privatsphäre, die Bedeutung von Whistleblowern, Aktivismus und die Aufgabe des Journalismus in der heutigen Zeit zu sprechen. Als Gesprächspartner waren die Autorin, Whistleblowerin und ehemalige MI5 Geheimagentin Annie Machon angereist, sowie der Journalist und Gründer von the real news network, Paul Jay per Webcam zugeschalten.

NoamChomsky (c) OliverAbraham

Den Höhepunkt des Abends bildete jedoch ein exklusives Interview mit Noam Chomsky, Professor für Linguistik am MIT (Massachusetts Institute of Technology), US-amerikanischer Intellektueller, Politik- und Gesellschaftskritiker. Auch er wurde per Webcam mit den Gästen im Ampere verbunden und erntete, nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten, bewundernden Applaus.

 

Mit Chomsky sprach Raza über die aktuelle Situation der Medien weltweit, über gleichgeschaltete Berichterstattung, Einflussnahme durch Interessengruppen und Selbstzensur. Aber auch aktuelle politische oder wirtschafspolitische Themen wurden behandelt. So sprach Chomsky über die Politik der USA, auch in Bezug auf den Terror durch den Islamischen Staat;  über das Handelsabkommen TTIP; Profitmaximierung und Gier; über Demokratie, Wahlbeteiligung und über die-für ihn-drei größten Gefahren für die Menschheit: Protektionismus, Klimakatastrophen und eine weiterer Weltkrieg.

Unabhängige Medien als Werkzeug einer mündigen Gesellschaft.

Einig waren sich alle Diskussionspartner in einem Punkt immer: dass die Aufgabe der alternativen Medien darin besteht den Menschen das Werkzeug in die Hand zu geben, eigene Meinungen zu bilden und aktiv zu werden. Genau das ist es, was den Machern von acTVism Munich vorschwebt. Der Öffentlichkeit Informationen an die Hand geben die deren “direktes und aktives Interesse wiederspiegeln”, um sie somit zum Denken, Schaffen und Handeln zu motivieren. Für die Macher bedeutet das, die wichtigen Themen und Interessenströme aufzuspüren, vor Ort zu sein und die gesammelten Informationen ungefiltert und direkt an den Endverbraucher weiterzugeben.

Damit stoßen die jungen Medienmacher genau in die Lücke, welche die etablierten Medien über die Jahre hinterlassen haben. „Man müsse im Kleinen beginnen, lokal aktiv werden und dort auf sich aufmerksam machen“, erklärte Paul Jay (the real news network) während der Diskussionsrunde. D­­ann habe man als alternatives Medium eine wirkliche Chance die Massenmedien zu ergänzen, vielleicht sogar zu ersetzen und die Leute selbst zum Handeln zu bewegen. AcTVism Munich scheint also auf dem besten Weg. Unsere Aufmerksamkeit und die der Münchner haben sie auf jeden Fall geweckt!

(c) acTVism Munich e.V.

Paul Jay, Zain Raza und Annie Machon (v.l.n.r.) auf der acTVism Munich Diskussionsrunde in den Münchener Muffatwerken. (c) acTVism Munich e.V.

Im Jahr 2013 gründeten Lars Gollnick und Zain Raza den unabhängigen Informationskanal acTVism Munich. Wie aus dem Namen hervorgeht ist die heute 30 Aktivisten umfassende Organisation auf Videoberichterstattung und Interviews spezialisiert und sendet regelmäßig aus München. Daneben organisiert der Verein Diskussionsrunden, Informationsveranstaltungen und plant zukünftige Kooperationen mit Musikern und Künstlern. Verbreitet werden die Beiträge von acTVism Munich auf dem Youtube-Kanal der Organisation, Informationen zu den Veranstaltungen finden Interessierte auf der Facebookseite oder der Homepage.