Christine Haderthauer und die Hipsterbärte

Christine Haderthauer hat es nicht leicht gehabt die letzten Monate. Die so genannte Modellbauaffäre zwang sie zum Rücktritt als bayerische Sozialministerin. Doch eben jener Rücktritt brachte auch Ruhe in die Angelegenheit.

Als einfache Abgeordnete im bayerischen Landtag hat sie nun wieder Zeit für die Freuden des Lebens, ohne ständig unmittelbar in der Öffentlichkeit zu stehen.

Zu diesen Freuden gehört auch die Pflege ihres Facebook Accounts. Hier teilt sie in einem quasi halb privaten Auftritt, der öffentlich ist, dem man aber nur „folgen“ und nicht „adden“ kann, auch gerne mal private Meinungen mit, die mitunter sehr interessant sind.

Gestern konnte man dort zum Beispiel folgendes lesen:

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Sie ist also mit der aktuellen Bartmode modisch nicht einverstanden und muss prompt an Salafisten denken. Salafisten -- die kennen wir als extremistische Muslime. Nein, natürlich ist nicht jeder Mann mit Rauschebart ein Islamist, sonst müssten wir uns bei Kai Diekmann ja schon ernsthaft Sorgen machen. Aber bei Frau Haderthauer scheint schon üppige Gesichtsbehaarung zu genügen, um an jeder Ecke einen Islamisten zu sehen.

In den Kommentaren unter den Artikeln geht sie sogar noch einen Schritt weiter und meint, die Verhüllung, die durch einen „Krautbart“ hervorgerufen wird, erinnere sie stark an Frauen, die ihr Gesicht verhüllen. Wieder denkt sie sofort an Muslime. Was ist das nur bei ihr?

Wie sehr das Äußere die öffentliche Meinung beeinflussen kann, weiß Carsten Jancker, der während seiner Zeit als Stürmer des FC Bayern oft als Nazi dargestellt wurde. Bei ihm reichte der Umstand, dass er aus Rostock kommt und eine Glatze hat. Uli Hoeneß hatte ihm sogar mal eine etwas längere Haarpracht ans Herz gelegt, um die Bedenken der Öffentlichkeit zu zerstreuen, verriet Jancker letzte Jahr bei Markus Lanz.

Die öffentliche Meinung ist oft schnell mit ihrem Urteil. Indizien, die vielleicht noch nicht einmal Indizien sind, reichen oft schon aus, um entsprechende Verbindungen zu knüpfen. Oft hat man das Gefühl, dass es so vor allem in Bayern so läuft.

Als im Februar diesen Jahres in München zwei osteuropäische Jugendliche einen Juwelier ausraubten, bei denen eine Mitgliedschaft bei der berüchtigten, internationalen „Pink Panther“ Bande vermutet wurde, hetzte die Münchner Bevölkerung unter einem Artikel der Abendzeitung. Dort wurde unter anderem die EU-Osterweiterung als Grund genannt, dass nun so viele Kriminelle in Bayern einfallen. Sogar die Todesstrafe wurde dort für die Täter gefordert, die übrigens alle noch minderjährig sind.

Nun haben wir hier eine ehemalige Ministerin (für Sozialordnung!!!), die lange Bärte sieht und gleich an Islamisten denkt. In einem Kommentar unter dem Post meint sie: „…mein Kopf leistet sich seine Assoziationen ohne dass ich das groß beeinflussen kann“.

Vielleicht hat sie da Recht. Wem kann man schon vorwerfen, dass er bei all der Berichterstattung über Islamisten, die nun einmal oft bärtig sind, bei langen Bärten nicht an die Bilder denkt, die zur Zeit durch die Medien geistern.

Doch muss man von einer Abgeordneten auch erwarten, dass sie sich darüber bewusst ist, welche Gefahren Generalisierungen bergen. Dass sie so etwas nicht veröffentlicht, um den vielen Schubladendenkern in Bayern nicht auch noch ein Vorbild zu sein. Und vor allem, dass sie nicht wie viele Mitbürger durch blanke Angst vor dem Fremden in einem Ausländer diskriminierende Polemik verfällt. Solches Denken ist Gift für die Integration, das Verhältnis zwischen Muslimen, Arabern und allen Vollbartträgern in unserem Land.

Auch Frau Haderthauer will bestimmt nicht, dass man sie für fremdenfeindlich hält, nur weil sie Mitglied der CSU ist.