Foto: Christoph Kürbel

Ukraine – ein neuer Kalter Krieg

Ich kann mich noch gut an den Samstag erinnern. Mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette im Mund surfte ich durchs Netz. Ich staunte ganz schön als SPON von vermummten Soldaten berichtete, schwer gerüstet, ohne militärische Kennzeichnung, die wichtige strategische Orte auf der Krimhalbinsel besetzten und sperrten. “Invasion?” schrieb ich Christoph. In der Tat.

Innerhalb  weniger Wochen wurde die Krim, “die Perle des Imperiums” wie Katharina die Große sie schon nannte, von Russland (wieder) einverleibt, oder aus Sicht der Bevölkerung ins Vaterland zurückgeholt. Ich persönlich dachte, dass es dabei bleibt. Ich habe mich getäuscht und während ein dreiviertel Jahr später der Gründer von ACTUALLYNOT mit dem Fotografen Hannes P. Albert in einem Kriegsgebiet sitzt und aus nächster Nähe versucht diesen Bürgerkrieg zu verstehen, mache ich mir meine eigenen Gedanken.

Foto: Christoph Kürbel

Foto: Christoph Kürbel

Der Einverleibung der Krim durch Russland ging die Besetzung des Maiden voraus. Ein korrupter Präsident, katastrophale EU-Politik,  Demonstrationen, Straßenkämpfe -- unter anderem durch rechte Gruppierungen motiviert --  und tote Zivilisten, heizten die Krise mehr und mehr auf. Der russische Präsident Wladimir Putin, der den Zerfall der Sowjetunion als “die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts” bezeichnete, tat sein Bestes, damit die Stimmung weiter kochte. Eine Großangelegte Truppenübung und die offene Infragestellung der territorialen Integrität der Ukraine, setzten die Ukraine und die NATO unter Druck. Die Argumente sind, dass der Präsident verfassungswidrig gestürzt wurde und die russische Minderheit rechtsradikaler Unterdrückung ausgesetzt ist.

http://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise-winter-spielt-russland-in-die-haende-ukraine-hofft-auf-gas-einigung_id_4234495.html

http://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise-winter-spielt-russland-in-die-haende-ukraine-hofft-auf-gas-einigung_id_4234495.html

Doch die “Truppenübung” war wohl mehr als eine Übung, was der BND auch nach ein paar Monaten bestätigte. Russische Soldaten und Ausrüstung gelangten in die Ostukraine, wo ein Großteil der Bevölkerung russischer Abstammung ist. Die örtlichen Separatisten riefen die Volksrepubliken Lungansk und Donezk aus, die international nicht (auch nicht von Russland) anerkannt werden. Die Argumente des Kremls haben ihre Berechtigung. Janukowytsch wurde aus dem Amt gejagt, trotz einer Einigung mit den Demonstrationsführern und der rechte Sektor in der Ukraine, der zum Teil nationalsozialistische Züge hat ist klar russlandfeindlich. Doch reicht das aus, dass eine Atommacht gleich einmarschieren muss, mit modern ausgerüsteten Soldaten ohne Kennzeichnung unter den Deckmantel seiner Geheimdienste?

Es sind wohl nur vorgeschobene Argumente. Putin hat sich die Krim geholt weil er es kann. Denn sein innenpolitischer Machtgewinn ist ihm sehr viel wert. Ob der Bürgerkrieg in der Ostukraine ein rasches Ende finden wird ist aus meiner Sicht sehr fraglich. Die Waffen des Westens sind Wirtschaftssanktionen, die aber erst über lange Zeit ihre Wirkung entfalten und die öffentliche Klarstellung, das Artikel 5 des Nato Bündnisses, die Unterstützung im Verteidigungsfall für alle Nato-Staaten gilt. Für das Baltikum, Litauen und Estland oder auch Polen, eben Länder die Teil der größten geopolitischen Katastrophe des 20. Jahrhunderts waren…

Abschließend sei noch eine traurige Tatsache erwähnt, die sich  leider viel zu oft in der Geschichte wiederholt, denn die Interessen der Ukrainer finden in diesem Krieg am wenigsten Beachtung. Es sind die der Großmächte, die aber andere dafür kämpfen lassen.

 

Christophs Tagebuch von der Reise durch die Ostukraine