Die Verschleierung – Ein Teil des Korans?

Eine verschleierte Frau aus der Golfregion wurde aus einer Oper in Paris geworfen. In Frankreich herrscht seit 2011 ein Burka Verbot. Der EU Gerichtshof hat es im Juli 2014 bestätigt.

Die Burka selbst ist  in dem  Gesetz gar nicht erwähnt, sondern es verbietet auf der Straße und an anderen öffentlichen Orten Kleidung zu tragen, “die dazu bestimmt ist, das Gesicht zu verbergen“. Ein Sarkozy Gesetz -- gefällt mir in dem Wortlaut gar nicht, denn was machen die Franzosen zum Beispiel an Fasching? 150 Euro Bußgeld für jeden. Gönn dir französischer Staatshaushalt…

Aber wir wollen sachlich beim Thema Burka bleiben. Was gehört alles zur Verschleierung? Was schreibt der Koran vor? Und ist es nun doch ein zu großer Eingriff in der Religionsfreiheit oder überwiegt hier das Gesamtgesellschaftliche Wohl, wie es der EU-Gerichtshof bestätigte?

http://www.welt.de/politik/ausland/article7358633/Wie-sich-muslimische-Frauen-verhuellen.html

Die Verschleierung gibt es in verschiedenen Varianten (siehe Bild). Eine Frau, die eine Burka trägt habe ich vielleicht zweimal gesehen, Es ist die Nikab, die man relativ oft sieht und der Unverständnis entgegengebracht wird. Interessant ist, dass in den unterschiedlichen Regionen, auch regionale Kleidung zur Verschleierung genutzt wurde. Ein Argument dafür, dass es keine klare Handlungsempfehlung  im Koran, bezüglich der Art der Verschleierung  geben kann. Wieso soll gar kein Gesicht in Afghanistan und das volle im  Iran sichtbar sein? Somit kann es hier nur um eine Auslegung gehen und keine klar erkennbare Anweisung, wie zum Beispiel immer Richtung Mekka zu beten. Ein Dilemma, dass es im Islam gibt, aber eigentlich in jeder Religion.

Fragt man sich konkret, was denn nun im Koran steht, wird zum Beispiel auf die Sure 24, Vers 31 verwiesen

31. Und sprich zu den gläubigen Frauen, daß sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen und daß sie ihre Reize nicht zur Schau tragen sollen, bis auf das, was davon sichtbar sein muß, und daß sie ihre Tücher über ihre Busen ziehen sollen und ihre Reize vor niemandem enthüllen als vor ihren Gatten, oder ihren Vätern, oder den Vätern ihrer Gatten, oder ihren Söhnen, oder den Söhnen ihrer Gatten, oder ihren Brüdern, oder den Söhnen ihrer Brüder, oder den Söhnen ihrer Schwestern, oder ihren Frauen, oder denen, die ihre Rechte besitzt, oder solchen von ihren männlichen Dienern, die keinen Geschlechtstrieb haben, und den Kindern, die von der Blöße der Frauen nichts wissen. Und sie sollen ihre Füße nicht zusammenschlagen, so daß bekannt wird, was sie von ihrem Zierat verbergen. Und bekehret euch zu Allah insgesamt, o ihr Gläubigen, auf daß ihr erfolgreich seiet.

Ich kann in diesem Vers keine vollständige Verschleierung lesen, sondern dass die Frau nicht ihre Reize in die Öffentlichkeit tragen soll. Der Busen  ist in allen Varianten genant, die ich noch gelesen habe. Von dem Gesicht, dem Kopf, oder dem Haupt ist nicht die Rede. Doch man muss in deutschen Übersetzungen vorsichtig sein. Vieles kann unterschiedlich gedeutet werden. Ein Beispiel von verschiedenen Seiten:

Sure 33 Vers 59

Variante A) O Prophet! Sag deinen Frauen und Töchtern und den gläubigen Frauen, sich zu bedecken. Dadurch werden sie erkannt und vermeiden es, belästigt zu werden. Gott ist der Vergebende, Gnadenvolle.

Variante B)  O Prophet! sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Tücher tief über sich ziehen. Das ist besser, damit sie erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist allverzeihend, barmherzig.

Variante C) Oh Prophet! Sprich zu deinen Frauen und Töchtern, sowie allen (anderen) gläubigen Frauen, dass sie (in der Öffentlichkeit) einige ihre Übergewänder (min jalaabiibihinna) über sich ziehen sollen. Damit werden sie eher (als ehrbare Frauen) erkannt und nicht belästigt. Aber (bedenke), Allah ist gewiss allverzeihend, eine Quelle der Gnade!

Bei Variante A und C gibt es jeweils Kommentare auf den Internetseiten. Bei B nicht.  A und C kommentieren, dass es keine Pflicht gibt sich vollständig zu verschleiern, und stempeln es als Tradition ab. In Variante B steht dafür  “tief über sich ziehen”, was das Kopftuch tragen aus meiner Sicht (bewusst?) verstärkt.

Es wird wohl 100 weitere Übersetzungsmöglichkeiten geben. Aber hier geht es auch ums Prinzip. Die vollständige Verschleierung ist keine höhere religöse Anweisung, sie ist Tradition im Islam. Es gibt gute Traditionen, wie auch schlechte Traditionen. Es gibt religiöse und nicht religöse Traditionen. Nur kann man überhaupt Traditionen von dem Glauben trennen? Der EU Gerichtshof hat jedenfalls getan und die Religionsfreiheit des Einzelnen unter das Wohl der Gesellschaft gestellt. “Es sei legitim, wenn der Staat mit solchen Maßnahmen die Voraussetzungen für ein Zusammenleben in der Gesellschaft wahren wolle.”

Ich persönlich hadere. Auf der einen Seite stört mich Unterdrückung von Frauen aufgrund archaischer alter Systeme und die vollständige Vermummung in der Öffentlichkeit befördert das ungemein. Andererseits halte ich eine freie Ausübung der Religion für unumstößlich. Und so frage ich mich, kann ein Staat durch ein Gesetzt es schaffen eine tiefe Tradition vom Glauben zu trennen?

Was machen wir, wenn wir in ein paar Jahren alle Lady Gaga Style mit riesen Schleiern rumlaufen wollen? Warum jemanden in seiner Kleidung beschränken?

Ein schwieriges Thema.

 

 

Quellen:

Dt. Koranübersetzungen:

http://www.koran-auf-deutsch.de/

http://www.muslimliga.de/archiv/asad.html

 

 

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