Länderprofil Saudi Arabien

System

Die saudische Monarchie ist der religiöse und politische Gegenspieler zum schiitischen Gottesstaat Iran. Das politische System hat zwar offiziell den Status einer Absoluten Monarchie, jedoch existiert keine Trennung von Staat und dem wahhabitischen Islam.

Die geistlichen Gelehrten (Ulema) haben enormen Einfluss auf die Bevölkerung, was ihnen eine ausgesprochene Machtposition innerhalb des Systems einräumt. Ihr Verhältnis zur Königsfamilie ist geprägt durch eine langjährige gegenseitige Verbundenheit und sorgte für die Verankerung der Monarchie innerhalb der Gesellschaft. Allerdings verschlechtert sich diese Bündnis zunehmend, was zu einer Destabilisierung des gesamten Systems führen kann. Offiziell existiert keine religiöse Einflussnahme auf die Politik jedoch ist die politische Führung gezwungen religiöse Vorstellungen zu berücksichtigen. (Selbsterhaltung des Systems) Dies wird besonders bei der anti-schiitischen Grundhaltung in der Außenpolitik deutlich.

Innerstaatlicher Konflikt: Innerstaatlich droht Saudi Arabien eine Zerreißprobe. Die Herrscher versuchen, auf der einen Seite schiitische Gruppierungen, die in den Aufständen von 2011 („arabischer Frühling“) eine erhebliche Rolle spielten, unter Kontrolle zu halten und auf der anderen Seite bedrohen“ sunnitische Islamisten (AQAP) die innenpolitische Stabilität“, indem sie, seit 2003, immer wieder Anschläge verüben.

Perzeption

Traditionell hat Saudi Arabien gute Beziehungen mit den USA, die strategische Partnerschaft ist vor allem durch die gemeinsamen Interessen in Bezug auf Erdölgeschäfte  zu erklären. Aber auch Sicherheitspolitisch gibt es immer wieder Kooperationen (vorübergehende Errichtung von amerikanischen Armeestützpunkten in Krisenfällen). Jedoch zeigen aktuelle Konflikte, wie in Syrien und Irak Uneinigkeit in den sicherheitspolitischen Interessen.  Auch das iranische Atomprogramm ist in diesem Bereich zu sehen. Somit werden die USA zunehmend zu einem unkalkulierbaren und unzuverlässigen Partner für die saudische Monarchie.

Saudi Arabien sieht sich zunehmend durch den Iran in seiner Führungsrolle in der islamischen Welt bedroht. Insgesamt haben die Sicherheitspolitik und die regionalen Machtverhältnisse einen enormen Einfluss auf die innenpolitische Stabilität Saudi Arabiens.

Interessenlage

Saudi Arabien versucht das Machtgleichgewicht zwischen Sunniten und Schiiten zu halten bzw. die gefühlte Expansion des Iran und seiner schiitischen Partner zurückzudrängen.  Die Gründe hierfür sind neben dem Anspruch einer Führungsrolle in der islamischen Welt vor allem die innenpolitische Stabilität. Auch die Stabilität der Region, insbesondere am persischen Golf, ist für Saudi Arabien und dessen Erdölgeschäfte unerlässlich. Insgesamt sind die Interessen Saudi Arabiens alle unter dem Gesichtspunkt der Selbsterhaltung des Regimes zu sehen,  die auf wirtschaftlichen Wohlstand und soziale Sicherung der Bevölkerung aufbaut.

Machtlage

Traditionell nutzt Riad eine Mischung aus ideologischen und finanziellen Instrumenten und Bündnisse mit den USA und Ägypten um seine außenpolitischen Ziele, vor allem in Hinblick auf Sicherheitspolitik durchzusetzen.

Saudi Arabien ist auf Stabilität in der Golfregion angewiesen um seine Ölexporte zu sichern. Diese sieht es aber durch die iranische Unterstützung von schiitischen Aufständen in Bahrain und Jemen und auch des Assad-Regimes in Syrien, zunehmend gefährdet.

In Syrien sieht Saudi Arabien die historische Chance durch die Unterstützung von radikal-islamistischen Gruppen eine „sunnitisch dominierte Nachfolgerregierung zu installieren“  und somit den Einfluss des Iran zu mindern.

Die Ökonomische Machtstellung Saudi Arabiens, das über ein fünftel der globalen Erdölreserven verfügt, hängt maßgeblich von der Erdölproduktion ab. Sie bestimmt die innen- und außenpolitische Stabilität des Regimes. Zu Durchsetzung seiner sicherheitspolitischen Ziele greift Saudi Arabien immer wieder auf finanzielle Unterstützung Verbündeter Staaten oder strategischer Partner zurück, wie z.B. bei der Unterstützung der libanesische Regierung im Kampf gegen die Hisbollah oder bei der Förderung islamistischer Rebellen im Kampf gegen das Assad-Regime.

Aber auch militärisch verfügt das Königreich über enorme Kapazitäten. Es hat nach Israel die schlagkräftigste Armee in der Region.

Neben dem seit 2006 laufenden zivilen Nuklearprogramm gibt es auch strategische Erwägungen ein militärisches Atomprogramm zu starten oder aber gleich Nuklearwaffen von bspw. Pakistan zu kaufen, sollte der Iran sein Atomprogramm weiter voran treiben.