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IS – auch aus Syrien raus?

Man muss es nur richtig googlen. Und schon eröffnet sich mir eine endlose Anzahl schrecklicher Dinge, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe und ich muss mir selbst eingestehen, dass mein von heutigen Medien vollgekotzter Kopf keinerlei ähnliches Gefühle schafft, als die Brutalität dieser Bilder und Videos.

Ein Freund sagte mir, ich soll es bleiben lassen. Mich nicht durch dieses Bildermeer zu wühlen. Man läuft Gefahr, nur noch tiefen Hass zu verspüren, dadurch auch zu polarisieren und die Brutalität der Isis wird mit dem Islam gleichsetzt. Man möchte Sie nur noch verteufeln. Er hat recht. Die Isis schafft wohl mit mir das was Sie will. Sie schreckt mich nicht ab, dafür ist Sie trotz dieser Bilder zu weit weg, aber sie schafft einen emotionale Wut und Hass und auch das ist -- bei aller Berechtigung -- nicht gut und spielt ihrer extremistischen Ideologie nur in die Hände.

Was ist los im Irak? Ein Land, das die letzten 40 Jahre die Hälfte der Zeit im Kriegszustand oder unter fremder Besetzung verbracht hat wird überrannt und das Kalifat ausgerufen.

http://www.br.de/nachrichten/isis-kontrollierte-gebiete-irak-100.png?version=c4fef

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Die ISIS, oder IS, war eine Untergruppe der Al Quaida und kämpfte im Syrischen Bürgerkrieg gegen Assad. Sie zeichnete sich damals schon durch besondere Brutalität aus bis sie sich 2013 abspaltete, und eigene Ziele verfolgte. Damals rätselte man noch, wer der Kopf hinter dieser Gruppierung ist. Vor ein paar Wochen veröffentlichte Abu Bakr al-Bagdadi ein Video in dem er seine absurden Pläne in die Welt hinausrief, ein Kontinente überspannendes Kalifat errichten zu wollen. Al-Baghdadi, der sich selbst zum Kalifen ernannt hat, ist der Sohn eines Religionsgelehrten und selbst promov. Islamwissenschaftler, was ihm in der Auslegung der sunnitischen Religionslehre sicherlich eine höhere Legitimität verschafft, als zum Beispiel Bin Laden, der nur aus einem reichen Haus kam…

Innerhalb von einem guten Jahr hat der IS es geschafft aus wenigen Gebieten in Syrien eine Region zu erobern, die in etwa so groß ist wie Süddeutschland. Drei Gründe sind hier besonders hervorzuheben:

  • Die ISIS verbündete sich erfolgreich mit sunnitischen Milizen im Westen des Iraks, sowie Anhängern der Baath Partei (Die Partei des 2003 gestürzten Diktators Saddam Hussein). Es entsteht eine erfahren Truppe, aus den Veteranen des syrischen Bürgerkriegs, örtlichen Milizen mit Kenntnissen der Region, und ehemaligen Offizieren unter Saddam, die entsprechendes militärisches Wissen miteinbeziehen. Die Moral der Truppe wird auch noch durch ihre extremistische Ideologie verstärkt.
  • Die von den USA modern ausgerüstete irakische Armee, ist moralisch am Ende (schlechter Sold, Unzufriedenheit mit dem schiitischen Präsidenten al- Maliki). Auch dadurch entstand eine Fürsprache für die ISIS und so löste sich die irakische Armee vor dem Feind auf. Der IS ist nun im Besitz hochmoderner Kampfausrüstung. Er besitzt Transportmittel, Artillerie und Panzer der US-Armee.
  • Der IS ist in eroberten Gebieten bemüht, staatliche Infrastruktur zu schaffen um die Scharia Ideologie durchzusetzen. Andersgläubige werden nicht akzeptiert und verfolgt, für die Menschen die sich dem System aber beugen, versucht er ein Sozialsystem aufzubauen. Sie erzwingt Steuern, zahlt Renten etc. In welchem Umfang das funktioniert ist mir unbekannt, auch wie hoch die Einnahmen aus Ölfeldern sind, bleibt im Dunkeln. Die Nachricht, die ISIS hätte die Nationalbank (500 Mio. USD) geplündert wurde nie wirklich bestätigt.

Und so hat der IS es geschafft, was andere Terrororgaisation in Jahrzehnten nicht schafften. Er hat Land erobert und ist dabei, Strukturen eines Staates aufzubauen. Es ist auch purer Faschismus, den der IS betreibt. Unterdrückung der Religions- und Meinungsfreiheit, Militarismus, mit dem die Kinder schon medienwirksam erzogen werden, Führerkult, Verfolgung und Mord.

kindersoldaten ISIS

Nur wie soll dem entgegengewirkt werden? Seine Eroberungen sind die letzten Wochen Zurückgegangen. Die Luftangriffe stoppten die Offensive, natürlich aber nicht den Krieg. Reichen Waffenlieferungen an die Kurden aus, damit Deutschland sich in dem schönen Gefühl “wir haben ja etwas getan” zurücklehnen kann? Sind Luftschläge genug oder muss es doch eine Intervention mit Bodentruppen sein, wie viele Experten empfehlen. Nur, wie soll die aussehen, Nato oder Un Friedenstruppen? Was soll die die von den Amerikanern geführte Koalition tun? Und wie wird man mit Assad umgehen? Den IS kann man nur besiegen, wenn man ihn auch aus Syrien verdrängt. Luftschläge auf syrischem Boden, würde aber aufgrund des Schutzes Russlands für Assad zu einer weiteren diplomatischen Krise führen und würden auch so, promt ein Tag nach Obamas Rede so kritisiert.

Fragen über Fragen,  wo es keine einheitlichen Standpunkte geben kann und wir diskutieren, verstehen und sachlich streiten möchten.