China und das Menschenleitsystem

Eine kleine persönliche Einschätzung zum Leben in Peking und wie es ist sich dort “frei” zu bewegen.

Die Ankunft am Hauptbahnhof von Peking ist spannend und überwältigend zugleich. Unheimlich viele Menschen stehen auf einem großen Platz und warten auf Verwandte, verkaufen etwas oder stehen mit offenem Mund da wie ich. Schnell fällt auf, dass keiner trinkt, raucht oder rumpennert #hbfmuc. Das könnte daran liegen, dass hier alles kameraüberwacht ist und zwei große mobile Polizeistationen aufgebaut sind. Davor stehen jeweils drei Soldaten, jeder den Blick in eine Richtung. Gleichzeitig marschieren fünf kampfbereite Soldaten im Gleichschritt unaufhörlich durch die Menschenmassen, die dabei aus dem Weg gehen müssen.

Foto: Christoph Kürbel

Foto: Christoph Kürbel

Tianmen-Platz und Eingang zur verbotenen Stadt

Am Tianmen-Platz schlug die KP Chinas 1989 eine Demonstration der Demokratiebewegung nieder. Je nach Interpretation starben dabei 300 bis 3000 Menschen. Heute ist der Platz, auf dem auch das Mausoleum des großen Vorsitzenden Mao steht, ein Hochsicherheitsbereich. Der Zugang ähnelt dem zum Sicherheitsbereich eines Flughafens. Auch hier wieder eine Menge Kameras und natürlich darf auch das im Gleichschritt marschierende Militär nicht fehlen. Zu den Öffnungszeiten des Mausoleums stehen dort geschätzte 2000 Menschen schlange um den großen Vorsitzenden Mao zu besuchen. Große asiatische Reisegruppen (viele Chinesen und Koreaner). Der Kult um Mao Tse-Tung lebt.

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Viel Platz, viel Kontrolle

In der Altstadt und in den Hutongs (kleinen Gassen), ist die Kontrolle geringer. Zwar sind hier auch alle Straßen Viedeoüberwacht, aber es laufen nur Polizeibeamte sporadisch durch die Straßen. Die Präsenz von kampfbereiten Militäreinheiten macht scheinbar nur dort Sinn, wo sich eine für chinesische Verhältnisse kritische Masse an Demonstranten versammeln kann.

Totale Kontrolle im Internet

Der Versuch irgendwelche westlichen Seiten zu erreichen, stellt einen gleich auf die Geduldsprobe, denn scheinbar werden diese Server besonders langsam erreicht. Eine Google-Suche wird zum Beispiel umgeleitet und über Hongkong (google.hk) durchgeführt. Das dauert ewig. Gleiches gilt für WordPress und Tumblr. Da wird schon die Motivation, ein Foto hochzuladen oder Texte zu veröffentlichen, unterbunden. Und man kann sich auch sicher sein, dass dieser Traffic auch überwacht wird. Facebook ist dagegen einfach völlig abgeschaltet. Gleiches gilt auch für die meisten Google-Dienste (Mail!!!!).

 

Foto: Christoph Kürbel

Foto: Christoph Kürbel

Da die chinesische Internetkommunikation aber über andere Plattformen (WeChat, QQ, Line) laufen und sich zb. auch Whattsapp nicht durchgesetzt hat, stört das auch keinen. Die westlich orientierten Jugendlichen und Studenten, die meistens aus wohlhabenden Familien stammen, verwenden VPN-Client und Proxy, um Facebook zu erreichen. Allerdings ist auch dieser Weg nicht sicher vor staatlicher Überwachung. Und diese Überwachung steht im Namen der Sicherheit und wird permanent propagiert. Z.B. auf Plakaten in der Pekinger U-Bahn.

Persönliche Einschätzung

Meiner Meinung nach wird im öffentlichen Raum die Kontrolle soweit ausgeweitet, sodass z.B. keine Versammlungen möglich werden. Auch in der Bewegungsfreiheit habe ich mich sehr eingeschränkt gefühlt, da einen ständig Absperrungen auf den Straßen oder in der Ubahn dazu zwingen Umwege zu machen. Hauptsache alle gehen in die gleiche Richtung. Die U-Bahn hat einen Eingang und einen Ausgang und die liegen 200 Meter auseinander. Warteschlangen haben einen Ein- und Ausgang usw. Man legt gefühlte 20 Mal am Tag seinen Rucksack auf ein Band und geht durch eine Sicherheitskontrolle. Peking hat sich für mich sehr unfrei angefühlt.

Witzig fand ich den hier:

Foto: Christoph Kürbel

Foto: Christoph Kürbel