Erica Zaionts ®

Ein Anschluss an Russland – Besser für die Krim?

In einer Osteria in der moskauer Innenstadt habe ich bei Pizza Margherita und CocaCola mit Erica Zaionts gesprochen. Sie ist gebürtig aus Jalta, einem wunderschönen Küstenstädtchen auf der Krim. Ich habe sie gefragt, was sie über den Anschluss der Krim an Russland denkt.

Photo: Matthias Lamsfuß ®

Photo: Matthias Lamsfuß ®

Erica ist Modedesignerin und betreibt ein Fashion Lab in der Innenstadt. Sie ist erfolgreiche Unternehmerin und hat mit ihrem Modelabel nach eigener Aussage international mehr Erfolg als in Russland. Sie ist eine weltoffene, weitgereiste Frau, die mitten im Leben steht und zusammen mit ihrem Mann ein internationales Unternehmen führt. Damit gehört sie definitiv zur Oberschicht der russischen Gesellschaft (die Ziel der westlichen Sanktionen sein soll).

Als wir darauf kommen, dass sie von der Krim stammt, ist mein Interesse natürlich gleich geweckt. Erica hat einen ukrainischen Pass und die Krim ist ihre Heimat. Da sie in ihre Heimat immer wieder zurückkehren möchte, wird sie ihre Staatsbürgerschaft zur Russischen ändern lassen. Früher war die ukrainische Staatsbürgerschaft auch wirtschaftlich kein Problem für sie. Jetzt, da die Krim zu Russland gehört könnten dadurch Komplikationen entstehen.

Allerdings scheint sie dem ukrainischen Staat keine Träne hinterherzuweinen. Gerade seitdem sich die Ukraine an die EU angenähert hat, hat sich die Arbeitsmarktsituation deutlich verschlechtert. Die Leute auf der Krim haben laut Erica im Winter keine Jobs, da nur noch die Tourismusindustrie im Sommer für Arbeitsplätze sorgt. Unternehmen, die für den russischen Markt produzieren haben es immer schwerer gehabt. Jetzt wo die Krim zu Russland gehört, ist dieses Problem nicht mehr gegeben. Erica ist der Meinung, dass der Anschluss an Russland nur gut für die Krim ist.

Russische Soldaten auf der Krim oder nicht?

Wir kommen weiter ins Reden und es geht darum, dass die komplette Annexion ohne Blutvergießen und Gewaltanwendung von statten gegangen ist. Der Zwischenfall, bei dem ein urkainischer Offizier im Streit mit einem russischen Soldaten von diesem erschossen wurde, ist Erica ebenso ein Begriff wie uns und sie bedauert das sehr. Allerdings ist sie auch fest davon überzeugt, dass keine russischen Soldaten auf der Krim im Einsatz waren, sondern, dass das Volk auf der Krim selbst über sein Schicksal entschieden hat. Als ich ihr die Bilder der Soldaten ohne Abzeichen vor dem Flughafen von Simferopol zeige, ist sie sehr überrascht, sagt aber nichts weiter dazu, außer, dass man doch mal ihre Mutter anrufen solle und dort nachfragen. Stattdessen betont sie die Angstmacherei, die in den westlichen Medien massiv betrieben wird. Und wenn ich mir die Gastfreundlichkeit und die Hilfsbereitschaft vor Augen führe, die mir in meinen ersten drei Tagen in Russland entgegengebracht wurde, sehe ich unsere Berichterstattung auch immer kritischer.