Die Vermannung von Alice Schwarzer

Ich bin eine Frau. Ich wurde zusammen mit meiner körperlich behinderten Schwester von meiner Mutter aufgezogen. Ich enstamme einer Familie starker Frauen, die mir an erster Stelle Werte wie Unabhängigkeit und Selbstbestimmung vermittelt haben. Frauen, die immer das Sagen hatten und trotzdem ihren Männern deren Männlichkeit nicht absprechen mussten -- insgeheim wusste ja doch jeder, wer die Hosen anhat. Ich habe ein gesundes Verhältnis zu Sexualtität (denk ich zumindest) und sehe auch nicht aus wie Kraut und Rüben. Und ich finde Alice Schwarzer trotzdem scheisse. Nicht weil ich unemanzipiert oder verroht wäre, sondern weil ich Deutschlands niemals müde werdenden oder Krämpfe kriegenden, steil emporragenden Zeigefinger der Moral zum kotzen finde. Alice, Finger raus aus meinem …!!! ihr wisst schon. Von einer mutigen, ehrgeizigen  Journalistin wurde Alice Schwarzer im Laufe der Zeit zu einer pedantischen, bornierten, mediengeilen Feuerqualle mit dem scheinbaren Motto: Angriff ist die beste Verteidigung -- selbst wenn es überhaupt keinen Angriff zu verzeichnen gibt. Ich fühle mich als Frau falsch repräsentiert.

 

Das soll hier kein Alice Schwarzer Bashing werden -- die Feministin hat durch ihr Engagement schon wichtige Themen der Frauenbewegung vorangebracht, wie zum Beispiel ihr Einsatz für die Abtreibungsgesetze, wofür ihr auch Respekt gezollt sei. Aber: In der jüngeren Vergangeheit erscheint Schwarzer doch eher wie eine Kämpferin um des Kampfes willen -- und nicht der eigentlichen Sache wegen, um sich anschließend über jedes Eselsöhrchen an medialer Aufmerksamkeit ins ewig geballte Fäustchen zu lachen. Dass jedes Wesen, das von der Pein der Periode verschont geblieben ist zum Feind erklärt wird, ist nicht feministisch, sondern sexistisch.

 

In einem unglaublich inspirierenden Telefonat mit oben erwähnter Mutter wurde deshalb die Frage behandelt: Wie kann man Alice Schwarzer die Abneigung gegenüber Männern austreiben? Besagt nicht ein amerikanisches Sprichwort: “Lauf eine Meile in meinen Schuhen, bevor du mich verurteilst” oder so? Meine liebe Mutter forderte eine Zwangs-Geschlechtsumwandlung Alice Schwarzers im Sinne der restlichen weiblichen Bevölkerung. Ganz so extrem würde ich das nicht ausdrücken. Ich würde lieber das Schicksal walten lassen.

 

 

Hiermit präsentiere ich eine fiktive Zukunft, was karmatechnisch so passieren könnte, wenn Alice Schwarzer den Zeigefinger nicht mal ruhen lässt.

 

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Die Vermannung

Als Alice Schwarzer eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie sich in ihrem Bett zu einem ungeheureren Ungeziefer verwandelt. Sie lag auf ihrem panzerartig durchtrainierten Rücken und sah, wenn sie den Kopf ein wenig hob, unter ihren von bogenförmigen Bauchmuskeln geteilten Bauch eine steil emporragende Auftürmung, auf deren Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Ihre vielen, im Vergleich zu ihrem sonst blonden und seidigen Haupthaar, stachelig aufstehenden dunkeln Haare, die nun ihre Brust und auch Gesicht bedeckten, ließen ihre Augenlider hilflos flimmern.

„Was ist mit mir geschehen?“, dachte sie. Es war kein Traum. Ihr Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Frauenzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden. Über dem Tisch, auf dem eine auseinandergefaltete Kollektion an Zeitschriften und politisch relevanten Tageszeitungen lag – Schwarzer war Journalistin – hing das Bild, das sie vor kurzem aus einer dieser illustrierten Zeitschriften ausgeschnitten und in einem hübschen, vergoldeten Rahmen untergebracht hatte. Es stellte einen Herren dar, der, mit einer engen Jeans und ausgeprägten Bauchmuskeln versehen, aufrecht vor einem doppelnamigen Schriftzug in schwarz weiss dastand, und seine Perlenkette von einem Lächeln dem Beschauer entgegenhob.

Alices Blick richtete sich dann zum Fenster, und das trübe Wetter – man hörte Regentropfen auf das Fensterblech aufschlagen – machte sie ganz melancholisch, wie es den Bewohnern in Berlin so oft im Jahr passiert. „Wie wäre es, wenn ich noch ein wenig weiterschliefe und alle Narrheiten vergäße“, dachte sie, aber das war gänzlich undurchführbar. Denn sie war es gewöhnt nach dem wach werden ihr Badezimmer aufzusuchen, um die Überreste des abendlich eingenommenen Fencheltees von sich zu lassen, doch dies war in ihrem gegenwärtigen Zustand undurchführbar. Mit welcher Kraft sie auch den neu erlangten zusätzlichen Körperteil in ihrer Pyjamahose niederzudrücken versuchte, war dieser nicht bereit einen geraden Strahl abzulassen. Sie versuchte es wohl hundert Mal, schloss die Augen, um das unschöne, geschwollene Stück Fleisch nicht sehen zu müssen – was nebenbei nicht positiv zu ihrer Treffsicherheit beitrug – und ließ erst ab, als sie einen noch nie gefühlten, immer größer werdenden drückenden Schmerz zu spüren begann. „Ach Gott“ dachte sie, „ was für ein anstrengendes Ding so ein Hosentier doch ist.“

Da ich unsere Leser zu der intellektuellen Sperspitze der Nation zähle, wird euch wohl nicht entgangen sein, dass dieser Auszug gewisse Parallelen zu einem berühmten Werk der deutschen Weltliteratur aufweist. Für die Unwissenden sei hierbei Franz Kafkas Erzählung “Die Verwandlung” getagged. Wer das Buch nicht kennt, sollte schnellstens losrennen und es sich zu Gemüte führen, um sich bei der nächsten literarischen Diskussionsrunde in der WG-Küche zu acht nicht zu blamieren. Aber vor allem um den Witz hier zu kapieren.