Ein Blick zurück: Norwegen und Buddha

Klischees über das Mittelalter und die Zeit der nordischen Wikinger gibt es zur Genüge. Ein paar sollen hier aus der Welt geschaffen werden, um die Zeit vom 5.  bis zum 12. Jahrhundert als Blütezeit Skandinaviens zu verstehen.

Allseits bekannt sind die Langboote und die Seemannskunst der Wikinger, die sie 500 Jahre früher als Kolumbus an die amerikanische Küste trieben. Der technologische Vorsprung, den das Langboot, oder auch Drachenboot pries, war seine Geschwindigkeit und Wendigkeit. Eine Robustheit auf hoher See und ein niedriger Tiefgang der es erlaubte, Flüsse hinaufzusegeln. Dies, und die raue, kriegerische Mentalität des nordischen Volkes (aber ohne Helme, mit Hörnern…), die so dreist waren, bis nach Paris hinunter zu fahren, um es zu plündern, waren in ganz Europa gefürchtet.  Eine Art mittelalterlicher Terrorismus. Diese Furcht -- wohl aber auch Ehrfurcht vor dem hochgewachsenen barbarischen Nordländern -- ging sogar so weit, dass der damalige mächtigste König des Abendlandes, der König des Ost-Römischen Reiches Byzanz, sich gleich eine ganze Garde an Wikinger Söldnern zum persönlichen Schutz hielt. Ein schönes Andenken aus dieser Zeit ist heute noch in der Hagia Sophia, in Istanbul zu sehen, wo an einer Galerie in Runen-Schrift zwei nordische Namen gemeißelt sind. Wahrscheinlich zwei Söldner, die es damals nicht anders taten, wie wir heute, wenn wir uns an besonderen Orten mit Messer oder Stift verewigen möchten.

Wieso eigentlich Plündern?

Runen in der Hagia Sophia

Runen in der Hagia Sophia

Erklärungsversuche für die massenhaften Plünderungen in England, Frankreich und den anderen Ländern Nordeuropas gibt es viele. Zum einen ist es einfach kalt in Skandinavien und die Voraussetzung für intensive Landwirtschaft waren nicht gegeben. So gab es vielerorts zu verschiedenen Perioden im Jahr nicht genügend Nahrung, oder einfach auch nichts zu tun für die Männer, da es auch mancherorts zu einem rapiden Bevölkerungsanstieg kam. Naja, wieso dann nicht plündern. Auch spielt die Kultur und der Glaube eine wichtige Rolle. Der Wikinger glaubte vor seiner Christianisierung (um 1200), an die Nordische Mythologie. Neben seinen  Göttern, wie Odin, Thor und Loki war Walhalla, der Platz der Götter, wo die gefallenen Krieger, die Einherjer (ehrenvoll Gefallener) tagsüber bis zum Tod trainierten, um dann von Walküren wieder wach geküsst zu werden, damit sie abends mit den Göttern wieder fröhlich trinken und speisen können. Bis Odin sie zur letzten Schlacht ruft, der Götterdämmerung Ragnärök.

Gut, martialisch und Kriegerisch sind viele Religionen. Die Nordische aber besonders. Zum Beispiel war es zu einem Fest Tradition, dass sich die Männer in zwei Gruppen aufteilten, um sich mit Knüppeln zu schlagen, bis nur noch einer steht. Und  für manch einen Wikinger gab es vielleicht  nichts schöneres, als im Kampf erschlagen zu sterben. Sicherlich auch ein Grund für den einen oder anderen, sein “Glück” zu suchen oder wenigstens den Kampf nicht zu fürchten.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vikings-Voyages.png

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vikings-Voyages.png

Das karge und wenig fruchtbare Land Skandinaviens trieb die Menschen nicht nur auf die See, um zu plündern, sondern auch in die ferne Welt, um zu siedeln. So kann man den Entdeckungsdrang und ihren sichtlichen Erfolg darin, mit dem der Polynesier, der Spanier oder Portugiesen gleichsetzen. Und auch mit billigen Tricks wurden Menschen zum Auswandern getrieben. So gab man einem gefundenen Eiland oftmals paradiesische Namen, wie, Grünland, Grönland. Ein anderes Beispiel, für die Ausbreitung der Nordmänner ist  Wilhelm, Herzog der Normandie und Eroberer von England, dessen Wurzeln auch auf die Wikinger zurückzuführen sind. Das damalige Fränkische Reich musste die heutige Normandie als Tribut an einen Wikingeranführer (Rollo) abgeben. 300 Jahre später ist daraus eine englische Königsdynastie entstanden.

Die weiten Reisen der Nordmänner und wieso sie so verhasst waren

http://fuckyeahvikingsandcelts.tumblr.com/post/10685804413/6th-or-7th-century-buddha-statue-from-northern

http://fuckyeahvikingsandcelts.tumblr.com/post/10685804413/6th-or-7th-century-buddha-statue-from-northern

Folgen wir den Linien auf der Karte, sind neben den verschiedensten Siedlungsplätzen auch die Reise- oder Handelsrouten der Wikinger zu sehen, wo an Knotenpunkten die Wikinger selbst Städte gründeten.  Um zu verstehen, wie wichtig das war, muss man sich die damaligen Handelsströme vorstellen. Die Händler aus dem Norden kauften Tuch, Seide Brokat und Schmuck, wahrscheinlich auch seltene Gewürze aus dem Süden. Sie verkauften wiederum Pelze, Sklaven (da wären wir wieder beim plündern…), Eisen, und Bernstein, den man auch die Tränen der Götter nannte.  Dieser Handel, und der florierende  Reichtum und Gewinn, war eine weitere Säule der Wikingerzeit. Und so kann man sich auch die letzte Frage einfach beantworten. Was hat Buddha mit Norwegen zu tun?  Man entdeckte unter den Umrissen einer Hütte in Schweden, neben Schmuck aus der Region, römische Spielsteine, einen irischen Stab, eine koptische Kelle (Ägypten) und einen Bronze-Buddha aus Indien. Und solche Funde gibt es in Skandinavien zuhauf!

Abschließend möchte ich auch noch etwas an dem Ruf der Wikinger arbeiten. Während der Wikingerzeit war die Christianisierung schon weit fortgeschritten, die Wikinger hielten aber noch lange an Ihrem Glauben fest . Dies war auch ein Grund wieso sie rücksichtslos Klöster eroberten. Aber es lässt sich auch rückschließen, dass es ein Einfaches für diese Zeit war, den Wikinger auf ewig zu verteufeln, da Chroniken zumeist in englischen oder französischen Klostern geschrieben wurden. Die konnten ja nicht anders über den plündernden Heiden schreiben. Der Ruf des rohen, barbarischen Plünderers verfolgt ihn bis heute noch. Derweil hat zu dieser Zeit jeder stärkere Nachbar den schwächeren gegängelt, insbesondere wenn er einen großen technologischen Vorsprung hatte, wie die Wikinger ihre Boote eben. Wie auch der Franke mit dem Sachsen oder der Engländer mit dem Schotten. Der Stärkere gegen den Schwächeren halt. Ein Phänomen, dass wir letztes Jahrhundert zu einem absurden Höhepunkt getrieben haben, und bis heute wohl noch nicht abgelegt haben.

Gönnt euch:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9277236.html

http://www.strangehistory.net/2010/08/20/the-buddha-in-viking-sweden/