Somalia – Ein Blick zurück Teil 1

Somalia, das Land am Horn von Afrika. Das Land mit 260.000 Hungertoten zwischen  2010 bis 2012. Piratenland und neustes Anti-Terror-Ziel der USA. Gut 20 Jahre hatte das Land am Golf von Aden keine Regierung. Die Geschichte Somalias ist ein Spiegelbild dessen, was wir als Entwicklungshilfe bezeichnen.

Seit Anbeginn seiner Befreiung von Britischer Kolonialherrschaft befand sich Somalia in einem Spannungsfeld des Ost-West Konflikts. Es wurde abwechselnd durch die UDSSR (1963 bis Mitte der 70er Jahre) und durch die USA (ab 1977 bis heute) “unterstützt”. Auch die BRD unterstützte fleißig den damaligen Präsidenten und Feldherren Siad Barre, der während der Entführung der Lufthansa Maschine “Landshut” die Spezialeinheit GSG 9 auf dem Flugfeld von Mogadischu agieren lies. Der mittlerweile Verstorbene Journalist Walter Michler bezifferte die Summe der Wirtschaftshilfe die ab 1977  an Somalia geflossen ist auf 1,2 Milliarden DM.

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“Wir werden Ihnen das nicht vergessen.”
Danktelegramm der Bundesregierung an den Staatspräsidenten von Somalia, Generalmajor Mohamed Siad Barre 

Siad Barre setzte die Wirtschaftshilfe  zunächst für den sogenannten Ogaden-Krieg gegen Äthiopien ein, der Anfang 1978 mit einer schweren Niederlage Somalias endete. Äthiopien war zu dieser Zeit massiv von der UDSSR unterstützt worden. Barre rüstet sich nun mit Hilfe des deutschen Geldes erneut gegen seine Feinde, die nun auch vermehrt aus den eigenen Reihen hervortraten. Barre, der dem Daro Clan angehörte, musste sich gegen eine vom Clan der Isaaq im Norden Somalias durchsetzten. Barres Schwiegersohn, der Verteidigungsminister Somalias, rief Mitte der 80er Jahre in seinem Buch “Letter od Death” zum Genozid am Isaaq Clan auf. So führte die Auseinandersetzung 1988 zu einem der größten Völkermorde der Geschichte, mit mindestens 10.000 Toten. Der Großteil der Angehörigen des Isaaq Clans flüchtete nach Äthiopien (110.000 Menschen). Auf der Flucht kamen weitere ca. 50.000 Zivilisten ums Leben.

MOHAMED FARAH AIDID     1991-1996    Clan der Habar Gidir-Hawiye und ALI MAHDI MOHAMMED

Die Politischen Gegner Barres formierte sich vor allem im Ausland. Entscheidend für die weitere Entwicklung war die Gründung der USC (United Somali Congress) 1989 in Rom, dessen Ziel der Sturz des somalischen Diktators war. Die USC gliederte sich in drei politische Flügel: Die USC-Rom, USC-Äthiopien und USC Mogadischu. Die USC-Äthiopien ist der militärische Flügel des USC. Der ehemalige politische Gefangene Barres, Aidid übernimmt Ende 1989 die Führung der USC-Äthiopien und rüstet den Flügel militärisch auf. Ab diesen Zeitpunkt herrschte ein blutiger Bürgerkrieg in Somalia, der schließlich mit dem erhofften Sturz des Diktators Barres 1991 seinen Höhepunkt erreichte. In der Folgezeit beruhigte sich die politische Situation Somalias kaum. Der siegreiche Hawiye Clan, insbesondere die USC proklamierte die Herrschaft über Somalia. Mahdi, der bis dahin Führer des USC-Rom war, ernannte sich zum neuen Staatspräsidenten. Aidid erkannte seinen ehemaligen Verbündeten nicht an, was zur Aufspaltung der USC führte. Mahid kontrollierte in der Folgezeit den Norden des Landes, während Aidid den Süden und die Hauptstadt Mogadischu für sich beanspruchte. Der Staatszerfall führte zu einem erbitterten Kampf mit den Waffen des ehemaligen Diktator Siad Barre und zu einem blutigen Bürgerkrieg in Somalia.

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Intervention der UNOSOM

Die Anhaltenden Unruhen und eine verbreitete Hungersnot in Somalia riefen erst Anfang der 90er Jahren nach dem Fall der UDSSR die UNO auf den Plan. Aidid, der mittlerweile mit den anderen Clanführern einen Waffenstillstand vereinbarte, akzeptierte zunächst die ausländische Intervention in seinem Heimatland. Er gründete die SNA (Somali National Alliance). Die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen endete jedoch bereits 1993 blutig, mit dem Tod von 23 pakistanischen UN-Soldaten. Adids Kämpfer waren an den Kämpfen gegen die UN Soldaten beteiligt. Die SNA und Adid riefen zum Kampf gegen die “kolonialitische” UNOSOM Mission auf. Die USA sahen ab diesem Zeitpunkt Adid als Hauptverantwortlichen für die anhaltenden Unruhen in Somalia und offerierten 25.000 Dollar für die Ergreifung des Präsidenten. Unterstützung erhielt Adid nicht nur durch die politisch verbündeten Clans, sondern auch aus der Bevölkerung, die die Kolonialisierung ihres Landes befürchteten.

Der Höhepunkt des Widerstandes Somalias gegen die UN-Truppen ereignete sich am 03.09.1993, als eine Gruppe von Spezialeinheiten der USA die Ergreifung Adids in Mogadischu durchführen wollte. In einer mehrere Tage andauernden Straßenschlacht starben 18 US-Amerikaner, ein malaysicher UN-Soldat und ca. 1.000 Somalier. Das Ereignis wurde als “Schlacht von Mogadishu” bekannt. Diese schwere Niederlage zwang die UN und die USA den Einsatz in Somalia erneut zu überdenken. Mit verbrannten Fingern zogen Sie sich 1995 vollständig aus dem Land zurück. Das Ende des westlichen Befreiungseinsatzes stärkte die Macht  Adids. Er erklärte sich zum Präsidenten des Landes und behielt diese Stellung bis zu seinem Tod 1996.

 

In dem zweiten Teil werde ich über die weitere Zersplitterung des Landes, die Radikalisierung islamischer Gruppen und das Leid der Bevölkerung schreiben.