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Unter Männern – Zwei Tage in der JVA Straubing

“Don’t try to understand women -- women understand women and they hate each other.” Woher dieses schöne Zitat stammt, weiß ich nicht genau, aber dasselbe habe ich mir gedacht und beschlossen, mich aus meiner glitzernden, wohl-duftenden Puderquasten-Welt zu verabschieden und mir das pure, unverwässerte Testosteron zu geben und in die Männerwelt einzutauchen. Genauer: in Bayerns härtesten Knast, der JVA Straubing.

Ich besuchte dort ein Seminar mit dem aufregenden Titel: “Hinter Gittern: die Realität des Strafvollzugs”, was mich erst einmal an die gleichnamige Fernsehserie “Hinter Gittern” denken ließ, in deren Trailer burschikose Holzfäller-Weiber eines Frauenknasts dem Zuschauer grimmig den Ficker entgegenstreckten. Doch mich erwartete Anderes: verschiedene Experten wie Kriminologen, Anwälte, Anstaltspsychologen und Gefängnisdirektoren erzählten in Vorträgen über die verschiedenen Aspekte der Realität im Strafvollzug. Höhepunkt war der Besuch der JVA Straubing selbst, wo ich sogar die Gelegenheit hatte mit den Häftlingen persönlich zu sprechen -- einer davon trug tatsächlich ein Holzfällerhemd. Dem Herrgott sei Dank, wird der Großteil unserer Leserschaft, nehme ich jetzt mal an, dieses spannende Thema nicht hautnah erleben müssen. Deswegen werde ich euch in der kommenden Serie “Unter Männern” an meinem nun erlangten Wissen über das Knast-Leben teilhaben lassen und euch Einblicke in das deutsche Strafvollzugssystem -- dessen Stärken und Schwächen -- erhaschen lassen.

Teil 1:

Kriminalität in Deutschland -- Hohe Ausländerzahlen und die Wahrheit darüber

Kaum ein Thema bietet so viel Raum für Populismus wie kriminelle Migranten. Nicht nur die Stammtischrunde wirft da schnell mit unüberlegtem Wortmüll um sich, auch in der Politik bietet dieses Thema größtes Verhetzungspotenzial. Deswegen ist es wichtig zu hinterfragen, was die Ursachen und unsichtbaren Tücken der hohen Ausländerzahlen in unseren Kriminalstatistiken sind, um nicht Opfer von Propaganda zu werden. Lasst es mich euch erklären:

Tatsache ist, dass in Bayern im Jahr 2012 fast 30 Prozent der Tatverdächtigen ausländischer Herkunft waren. In Deutschland liegt der Schnitt bei etwa 24 Prozent. Das klingt erstmal viel, besonders wenn man vergleicht, dass Ausländer an der Gesamtbevölkerung Deutschlands nicht einmal 10 Prozent ausmachen. Diese Zahlen bieten sich herrlich dazu an, negative Meinungsmache zu betrieben und den etwas unreflektierteren und denkfauleren Menschen unseres schönen Landes den Gedanken einzupflanzen: “Sach ma’ geht’s noch? Die Mohammeds und Wladimirs nehmen uns nicht nur die Arbeitsplätze weg, sondern rauben, prügeln und betrügen was das Zeug hält und schlucken dann im Knast meine Steuergelder!” So entsehen dann ansprechende Wahlplakat-Sprüche wie: “Ist der Ali kriminell, in die Heimat aber schnell” und scheinen damit sogar auf den ersten Blick einen gewissen Hintergrund zu haben. Wie gesagt: auf den ersten Blick.

Plakate_RZ_HESSEN

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Doch so leicht ist es natürlich nicht. Denn nein, Ausländer sind nicht von Grund auf krimineller veranlagt als Deutsche, und schaut man genauer hinter die Kulissen, begehen sie auch nicht mehr Verbrechen als Franz und Max. Denn die Statistiken berücksichten vier entscheidende Faktoren nicht, die dieses Zerrbild der Justiz schnell wieder in die richtige Optik ziehen:

1. Straftaten:

Die Standard-Straftaten, für die man verhaftet und eingesperrt werden kann, die mir als erstes in den Sinn kommen, wären: Körperverletzung, Raub, BTMG ( Erklärung für die Unschuldslämmchen: Drogen) und artverwandte Delikte. Vernachlässigt werden bei diesem Bewusstsein von Kriminalität jene Straftaten, für die ein Deutscher gar nicht verhaftet werden kann. Diese Straftaten bilden den ersten Haken bei der These “Ausländer wären häufiger kriminell”. Wie soll denn auch ein Deutscher gegen das Asylrecht verstoßen? Logischerweise ist die Ausländerquote bei diesen Delikten 100 Prozent und zieht die Zahlen der Statistik in die Höhe. Die Voraussetzungen, kriminell zu werden, sind in diesem Punkt völlig inadäquat. Urkundenfälschung (Pass, Arbeitspapiere fälschen etc.) ist beispielsweise auch eine Straftat, die tendenziell für Inländer weniger Sinn macht, als für einen Migranten und folglich von Deutschen auch weniger begangen wird.

2. Willkür der Polizei

Als Münchnerin weiß ich besonders gut, dass die Tatsache, dass ich eine weiße, unschuldig-aussehende Person ohne abrasierten Kopf oder Nagetieren in meinen Hosentaschen bin, der einzige Grund ist, warum ich noch keine Anzeige oder Schlimmeres bekommen habe. Mein Freund Daivis hat es da etwas schwerer. Denn Daivis ist aus Angola, hat ‘ne große Klappe und wurde deswegen wöchentlich, wenn nicht sogar öfter, von der Polizei kontrolliert. Komischerweise hat das aufgehört, seitdem er eine Brille trägt. Was ich damit sagen will: Die Polizei kann sich aussuchen, wen sie kontrolliert und wie sie dabei vorgeht. Ergo steigt natürlich die Zahl von juristisch auffälligen Ausländern, wenn sie es doch sind, die  zum Großteil kontrolliert werden. Zweiter Haken, warum die Statistik uns eine falsche Wahrheit verkaufen will. Wieder sind die Veraussetzungen andere für Deutsche und Ausländer.

3. Wahre Ausländer?

Nicht alle Ausländer, die in Deutschland illegale Dinge tun und dabei erwischt werden, sind undankbare Maden im deutschen Speckmantel, die es sich hier bequem gemacht haben und krumme Geschäfte treiben. Denn unter den kriminellen Ausländern ist die Zahl der Touristen und der Personen, die sich illegal aufhalten, nicht zu vergessen. 8000 von 83.000 Tatverdächtigen im letzten Jahr waren nur im Urlaub in Deutschland, als sie kriminell wurden. Diese Personengruppe macht Deutschland jedoch nicht längerfristig Scherereien, wegen denen man nach Abschiebung krähen müsste, denn die gehen freiwillig und von ganz allein.

4. Demografie

Wenn man überhaupt von einem straftatenfreien Superstaat träumt, in dem es unnötig ist die Haustüren abzuschließen und eine U-Bahn-Fahrt einem Besuch im Wellness-Bereich des Ritz Carlton Hotels gleichkommt, dann sollte man schnellstens die Männer loswerden. Denn die belegen mehr als 90 Prozent der Betten in deutschen Haftanstalten. Besonders jene der Altersgruppe bis 35 Jahren. Und das ist weltweit so. Aufgrund der gesellschaftlichen Strukturen sind Ausländer in dieser Personengruppe in Deutschland überdurchschnittlich vertreten. Ein weiterer Trick der Statistik. Gäbe es genauso viele deutsche Männer bis 35 Jahren, wie es ausländische gibt, wären logischerweise deren Kriminalitätszahlen auch höher.

Ferner spielt der Wohnort auch eine nicht zu verachtende Rolle bei diesem Problem. Die meisten Straftaten werden in Großstädten begangen. Das wundert denke ich mal auch keinen. Die kriminelle Realität ist natürlich in einer Stadt wie Berlin eine andere, als in Daglfing, schon allein wegen der hohen Einwohnerzahlen. Da Ausländer überdurchschnittlich häufig in solchen Ballungszentren leben, in denen die Kriminalitätsrate am höchsten ist, steigen dadurch auch scheinbar die Kriminalitätsfälle unter Ausländern.

Die Verantwortung der Gesellschaft

Statt mit Schlagwörtern wie “Abschiebung”, “Wegsperren” oder “Assozial” um sich zu werfen, sollte man sich überlegen, wie man die Situation verbessern kann und ob unsere Willkommenspolitik, die von vielen Ausländern als unfreundlich eingestuft wird, vielleicht eine Teilschuld an den kriminellen Ausländerzahlen hat. Das einzige Schlagwort, das meiner Meinung nach im Zusammenhang mit einer Lösung dieses Problems fallen sollte, ist: Integration. Sobald allen die gleichen Bildungschancen und Lebenswege offen stehen, wird klar werden, dass Religion, Hautfarbe oder Sprache nicht festlegen, ob eine Personengruppe krimineller veranlagt ist als die andere.

Für alle, die gerne zur Entspannung nach all der Leserei etwas Unterhaltsames begrüßen: