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Folter auf der Sinai Halbinsel. Verstümmelung im Paradies.

Ägypten ist frei! Und in der Wüste halten Beduinen afrikanische Migranten fest, foltern sie und wenn es ganz schlecht läuft werden ihre Organe verkauft. In Anlehnung an einen sehr bewegenden Artikel aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, ein Kommentar zu einem Missstand, somewhere beyond paradise:

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Wo ist die Sinai Halbinsel?

Das wüstenhafte Peninsula  liegt zwischen dem afrikanischen Kontinent und der arabischen Halbinsel, getrennt von dem Jordangraben.  Sie grenzt westlich an den Suez-Kanal und östlich an Israel und den Gaza-Streifen. Geographisch kann man schon hier eine gewisse Spannung erahnen. Etwa 300 000 Beduinen bewohnen diesem Erdteil. Ein nomadisches Volk, das sich je nach geographischer Lage anders entwickelt hat. Zum Beispiel ziehen die israelischen Beduinen nur noch ganz wenig umher, während die Entwicklung bei den Beduinen im Westjordanland sehr zurückgeblieben ist.

Die Beduinen leben hauptsächlich von der Viehzucht und haben keinen wirklichen Landbesitz. Aufgrund der bäuerlichen Tätigkeit haben sie zwar immer zu Essen, dennoch wird ihnen kein Land zugestanden und somit sind sie quasi besitzlos. Auf der Sinai Halbinsel leben fast ausschließlich Beduinenstämme. Hier gibt es keine Rechte, Gesetzte oder Regeln. Ein Niemandsland. Perspektivlos.

Sie sind die Folterer hinter einer paradiesischen Urlaubskulisse. Bei den Opfern handelt es sich hauptsächlich um Flüchtlinge und Migranten aus Eritrea, Äthiopien, dem Sudan, und Somalia.

Ihre Kidnapper schlagen sie mit Stöcken, Ketten und Eisenstangen, bis sie ihnen die Telefonnummern ihrer Familien verraten. Sobald die Verbindung steht, beginnt die Folter. Die Kidnapper drücken ihren Opfern Zigaretten in den Gesichtern aus, brandmarken sie mit glühendem Metall, überschütten sie mit kochendem Wasser. Sie umwickeln ihre Finger mit Kabeln und drücken sie in die Steckdose, bis das Fleisch schwarz wird, oder sie gießen ihnen Diesel über den Kopf und zünden sie an, während die Angehörigen der Gefolterten daheim ihre Schreie über Handy mit anhören müssen.”

In dem Süddeutsche Artikel wird ein ehemaliges Opfer interviewet, Selomon, der es geschafft hat aus einem Camp zu flüchten. Er hat verstümmelte Hände, seine Familie wurde erpresst 30 000 Dollar zu zahlen. Er erzählt, dass die Opfer zu Tode gefoltert werden, wenn das Lösegeld nicht erbracht wird und ihnen danach die Organe herausgenommen werden, um diese weiterverkaufen. Viele überleben, bleiben verstümmelt, Zigarettenkippen auf ihrem Körper ausgedrückt, mit heißem Wasser die haut verbrannt, Hände oder Füße verstümmelt.

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Es handelt sich auch hier um eines der größten Menschenhandel-Kartelle der Welt. Die Migranten werden festgenommen und dann in die Lager gebracht. Ein Camp-Folterer verdient etwa €120 im Monat. Ihr Handwerk haben sie in den Gefängnissen gelernt, die noch unter Mubarak geführt wurden. Ein Teufelskreis. Die wenigen Blauhelme, die vor Ort positioniert sind haben so gut wie keine Macht und das Militär schützt lediglich die touristischen Gegenden, alles andere ist einfach zu gefährlich. Die Insel wird beherrscht und geführt von den Beduinen und den Extremisten. Eine Mischung aus Böse und Böse.

Von 60 000 afrikanischen Migranten, wurden 7000 in die Foltercamps gebracht und 4000 davon haben es nicht überlebt. Rund 1000 werden zurzeit als eingesperrt geschätzt. Während ihre Leichen in der Wüste verrotten, passieren ganz andere Dinge in Ägypten. Der Putsch in Kairo lenkt von der brisanten und ungerechten Situation auf der Sinai Halbinsel ab. Ein gefundenes Fressen für die Al-Quaida, oder nicht? Sonst interessiert es doch keinen:

Man hat nicht den Eindruck, dass das Leid der Afrikaner jemandem groß zu Herzen geht. Den Arabern nicht. Den Israelis nicht, bei denen die schwarzen Flüchtlinge „Eindringlinge“ heißen. Und auch nicht der EU. Die Bundesregierung ist über die grausamen Verbrechen im Bilde. Das teilte sie 2012 auf eine Anfrage im Bundestag mit.”

Berichten zu Folge gibt es islamistische Extremisten, die den Folterern das Handwerk legen -- es sind die gleichen Extremisten die in Tel Aviv und Kairo Bombenanschläge verüben. Eine verkorkste Anarchie, die unschuldigen Familien, und auch Kinder das Leben kostet.

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Ein wirklich großes Lob, an die Journalisten des Süddeutschen Zeitung Magazin, sich dieser Thematik anzunehmen und als Titelstory im Magazin vor einigen Wochen zu veröffentlichen. Ein Missstand, der vor lauter Jubel völlig untergraben wird.

Ein Thema, wie viele andere, die in der Tagespolitik gerne unter den Teppich gekehrt werden. Für mich ist es auffällig wie oft die massenweise Folterung, Bürgerkriege, Hunger, ganz besonders in Afrika eine Last für Politik und Wirtschaft sind. Man will sich den Flüchtlingen nicht annehmen und überlässt sie ihrem Schicksal. Dass die Situationen in den eigenen Ländern so grausam sind, dass Menschen zu Flüchtlingen werden um woanders auf der Welt nach Hilfe zu suchen und so ausgebeutet zu werden.

Ägypten und Israel haben gewiss genügend Mittel und Macht etwas gegen diese Situation zu unternehmen, aber sie machen es nicht. Es ist wie immer, keiner fühlt sich verantwortlich.

„Israelische Politiker vom rechten Flügel bezeichnen die afrikanischen Flüchtlinge als “Krebsgeschwür in unserem Körper

 

 

Quellen:

SZ Magazin von Juli oder http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/40203/1/1
http://www.bz-berlin.de/aktuell/welt/sinai-die-hoelle-liegt-gleich-hinterm-paradies-article1711535.html
http://www.zeit.de/2013/13/Sinai-1903/seite-2
http://www.tagesspiegel.de/politik/organhandel-auf-dem-sinai-tatort-aegypten/7628276.html