Jung, motiviert, arbeitslos. Wie Europas Jugend in den sauren Apfel beißt.

„Zwei Dritteln der deutschen Jugendlichen ist ihr Handy wichtiger als Sex” besagt eine Umfrage des Forschungsinstituts „Forsa”. Fast zwei Drittel der griechischen Jugendlichen sind arbeitslos. Das sind mehr als 64%, ein Rekordwert. Ohne die allgemein herrschende Meinung der „Problemländer” Europas bestätigen zu wollen, Deutschland sei der reiche, dicke Oberlehrer der gerne mal den wurstigen, goldberingten Zeigefinger belehrend nach ihnen reckt, ist diese Tatsache alarmierend. Der Durchschnittswert der Jugenarbeitslosigkeit liegt in der Eurozone bei 12%, speziell in Deutschland liegt er etwas über sieben Prozent. Jung, brutal, gut aussehend? Europas Jugend ist jung, motiviert und arbeitslos.

Warum gerade die jungen Leute?

Die Hintergründe der explodierenden Arbeitslosigkeit sind klar. Eine Finanzkrise jagt die nächste, die darauf folgende Rezession und die Sparmaßnahmen beutelten Europa und besonders die Mittelmeerländer wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien. „Wir sind die am besten ausgebildete Generation, die es je in Spanien gegeben hat”, sagt Mikel Revuelta Ortiz, ein spanischer Aktivist, der mit seinen 21 Jahren durchaus in die Sparte „Jugendlicher” einzuordnen ist, gegenüber der „Zeit”. Viele Menschen verloren im Zuge der Krise ihre Jobs, Ersparnisse und Hoffnungen in Spanien. Seit 2008 sollen dort ungefähr 3,7 Mio. Stellen verloren gegangen sein. Doch warum sind es gerade die Jugendlichen, die die eiserne Faust der Perspektivlosigkeit voll abkriegen?

Speziell in den südlichen Ländern wird als ein Grund der ungeheure Bauboom, der zu den 90-er Jahren herrschte, genannt. Viele junge Leute profitierten vom Aufschwung, vom Tourismus, vom Größenwahn und fanden gut bezahlte Jobs im Baugewerbe und das zu Hauf. Als dann 2008 die Immobilienblase platzte, fanden sich tausende von jungen Arbeitern auf einem überschwemmten Arbeitsmarkt wieder.

Des Weiteren haben sich die Arbeitsverträge verändert. Heutzutage werden die meisten Arbeitsverträge vorerst auf ein Jahr oder weniger begrenzt, feste Anstellungen werden sehr viel seltener abgeschlossen als es noch in der vorigen Generation gemacht wurde. Selbst vor der Krise 2008 waren 30% der Stellen in Spanien auf einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten beschränkt, diese Stellen gingen zumeist an die unter 30 Jährigen. Wenn man also immerhin eine Stelle hatte, musste man sich darauf einstellen im Arbeitsdschungel von einer Liane, bzw. von einem Job zum nächsten zu schwingen. In Zeiten der Sparmaßnahmen und Stelleneinstreichung ist ja dann klar, wer gehen muss. Wer keinen festen Vertrag hat ist raus.

 

Maßnahmen der Politiker

tumblr_m14vru8aC81rs68d3o1_4001Lösungsansätze für dieses Problem werden sowohl  regional von den Ländern selbst, als auch von der EU heiß diskutiert. Griechenland versucht trotz Apokalypsen-Stimmung zaghaft Hoffnung zu verbreiten und prophezeit einen wirtschaftlichen Aufschwung ab 2014, was neue Jobs, Geld, Glanz und Gloria bedeuten soll. Bis dahin versuchte die Regierung durch Kürzung des Mindestlohns für unter 25-jährige Unternehmen schmackhaft zu machen, junge Leute einzustellen. Auch Spanien versuchte mit dem „Esel-Karotten-Prinzip” den Unternehmen Anreize zu schaffen, Jugendliche anzustellen. Auch die Jugendlichen selber sollen durch finanzielle Unterstützung des Staates dazu ermutigt werden sich selbstständig zu machen. Nicht ganz risikofrei in so unsteten Zeiten, wie sie im Moment vorherrschen. Wirklich geholfen haben diese Maßnahmen bisher nicht besonders. Eine Abschaffung der Zeitverträge wäre vielleicht ein konstuktiver Vorschlag.

Auch die EU geizt nicht mit Geldern. Sechs Milliarden Euro sollen bis 2020 bereit gestellt werden, um zusätzliche Arbeits- und Ausbildungsplätze, speziell für junge Leute, zu schaffen. Zum Vergleich: Für die Rettung Griechenlands wurden damals 240 Milliarden Euro aufgebracht. Das ist 40 mal soviel. Just saying. „New Deal for Europe” heißt dieses neue Programm der EU. Die Ideen dahinter sind z.B. Überbrückungsmaßnahmen in Form von Fortbildungen oder einem freiwilligem sozialem Jahr, in Zeiten zwischen der dreimonatigen Anstellung und dem nächsten Praktikum zu schaffen. Nach dem Vorbild des ewigen Musterschülers Finnland wird auch eine sogenannte „Jugendgarantie” diskutiert. Diese besagt, dass sich die Länder verpflichten einem Arbeitslosen nach spätestens vier Monaten einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz anzubieten. Auch die Ausdehnung des Erasmus-Programms auf den nicht-akademischen Bereich und der Ausbau des dualen Ausbildungssystems in Südeuropa finden sich in dem Plan von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und deren französischen Equivalent Michel Sapin wieder.

Alles in Allem schöne Ideen, doch einige Fragen brennen mir misstrauischem, jungen Hüpfer auf meiner vorlauten Zunge: Woher soll das zusätzliche Geld kommen? Reicht die Summe von 6 Milliarden Euro, was zweifellos viel Geld ist, jedoch in Größenordnungen, die wir inzwischen von zahlreichen Bankrettungen im dreistelligen Milliarden Bereich gewohnt sind wie ein Taschengeld aussieht, aus, um etwas zu verändern? Wie wird gerecht darüber entschieden wer wieviel an Förderung, sprich Geld, erhält und wird das dann auch an den dafür vorgesehenen Stellen eingesetzt? Europas Jugend zumindestens muss auf eine Lösung weiter hoffen.

Quellen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/dramatische-jobkrise-fast-zwei-drittel-der-jungen-griechen-arbeitslos-a-898949.html

http://www.zeit.de/politik/2013-05/frankreich-deutschland-initiative-jugendarbeitslosigkeit

http://www.zeit.de/2013/15/jugendarbeitslosigkeit-spanien-italien-frankreich-slowenien

http://www.zeit.de/2013/07/Analyse-EU-Arbeitslose