Boko Haram – Die neue Front in Afrika

Nigeria ist ein Land, dessen gute wirtschaftliche Ausgangsposition eigentlich für gemeinschaftlichen Wohlstand und Frieden sorgen könnte. Die Konzentration auf die Energiewirtschaft und die grassierende Korruption sorgen aber für hohe Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit. Nachdem 2006 bereits die M.E.N.D. (Movement for the Emancipation of the Niger Delta) Anschläge auf Ölförderanlagen verübt hat, kommt nun die religiöse Dimension hinzu. Boko Haram ist eine islamistische Sekte, die den Nordosten des Landes mit einer Serie von Anschlägen überzieht und die Bevölkerung terrorisiert.

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Einstmals wurde Nigeria als die Kornkammer Afrikas bezeichnet. Fast die Hälfte der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft. Nachdem aber vor allem an den Küsten und im Niger-Delta Öl- und Gasvorkommen entdeckt wurden, gibt es keine Investitionen mehr in die Landwirtschaft. Dies ist der Grund, warum Nigeria mittlerweile sogar Getreide importieren muss. Nigeria wird von der Rating-Agentur Goldmann and Sachs zu den n-11 Staaten (next eleven) gezählt. Damit liegt das Land knapp hinter den BRIC-Staaten und tritt mit Südafrika in Konkurrenz um die wirtschaftliche Vorherrschaft in Afrika.

Die Bevölkerung ist jung und perspektivlos. Es gibt keine Arbeit und der Großteil der Menschen verdingt sich als Tagelöhner in den Städten. Die größte Stadt ist Lagos. Die ehemalige Hauptstadt ist innerhalb von 30 Jahren um das 8-fache gewachsen. Fehlende Investitionen in die Infrastruktur haben aber dafür gesorgt, dass Straßen, Wasserversorgung und Stromversorgung nicht wirklich mitgewachsen sind. Die Menschen wohnen in Slums und zum Teil in Hausbooten. Mittlerweile leben hier fast 11 Millionen Menschen und die Verstädterung schreitet weiter voran.

Religiöse Spaltung und Extremismus

Nigeria ist auf vielerlei Arten ein gespaltenes Land. Zwischen arm und reich, zwischen Regierung und Volk und vor allem konfessionell zwischen Islam und Christentum. Da die Menschen arm sind, ist die Religion eine große Stütze für sie. Man lebt Religion und feiert religiöse Rituale. Dadurch steigen die Unterschiede im Lebensrythmus der Leute und man grenzt sich voneinander ab. Der Norden des Landes ist mehrheitlich muslimisch, was an sich ja kein Problem darstellt. Dabei radikalisierte sich 2004 aber die islamistische Sekte Boko Haram und begann Ausbildungscamps für jugendliche Muslime zu errichten.

 

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Boko Haram lässt sich vielfach übersetzen und es bedeutet soviel wie „Bücher in Lateinschrift sind Sünde“,„Westliche Bildung verboten“, „Die moderne Erziehung ist eine Sünde“ bis hin zu „Vorspiegelung falscher Tatsachen ist Schande“.

In den folgenden Jahren kam es zu Unruhen im Norden Nigerias und Boko Haram gelang es, ganze Landstriche zu kontrollieren. Ihr Ziel ist es, einen islamischen Gottesstaat zu errichten und die Scharia als Grundlage für die Rechtsprechung einzuführen. Mit dem Vormarsch dieser Sekte kam es im diesen Monat zu zahlreichen Auseinandersetzungen. Boko Haram-Kämpfer griffen ein Gefängnis an, wobei 100 Menschen starben. Immer wieder brennen christliche Kirchen und Christen werden aus den mehrheitlich muslimischen Gebieten vertrieben. Die Muslime wiederum fühlen sich von der Regierung und der Wirtschaft benachteiligt, weshalb sie auch so leicht den Extremisten in die Hände fallen, die sich natürlich gleich an die Jüngsten wenden.

Die Regierung nimmt die Kriegserklärung an

Nachdem im Internet ein Video aufgetaucht ist, in dem der Führer der Boko Haram-Bewegung dem nigerianischen Staat den Krieg erklärt, haben Regierungstruppen nun eine Offensive gestartet, die sich bisher auf die Stadt Maiduguri konzentriert, aber bald für die Rückgewinnung der Kontrolle im gesamten Norden Nigerias sorgen soll. Aber auch das Vorgehen der Armee sorgt in der Bevölkerung für Unmut. Zwar unterstützt der Großteil die Offensive, aber immer wieder zünden Soldaten wahllos Häuser an und töten Zivilisten.

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Das von Korruption, Armut und Extremismus gebeutelte Land beginnt instabil zu werden. Die Verbindungen der Boko Haram zu Al-Quaida und Al-Quaida des arabischen Mahgreb zeigen deutlich, dass sich hier eine neue Front gegen den internationalen Terrorismus entwickelt. Nigeria könnte zum zweiten Mali werden, wo im letzten Jahr Frankreich als Schutzmacht auftrat und in einer Art Blitzkrieg die Stabilität wieder herstellte. Sollte ein internationaler Eingriff in den Konflikt nötig werden, wer sollte dann einspringen? In der Tradition, dass stets die alte Kolonialmacht Hilfestellung leistet, müsste sich diesmal Großbritannien erbarmen. Ich denke, dass eine gestärkte afrikanische Union (die man eventuell militärisch unterstützen muss) für Stabilität in ganz Westafrika sorgen könnte. Das Problem sind aber immer wieder die korrupten Regierungen, die sich für Rohstoffe und Macht kaufen lassen.

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Boko_Haram

http://www.tagesschau.de/ausland/nigeria-boko-haram100.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/boko-haram-50-tote-bei-islamisten-angriff-in-nigeria-a-898653.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/nigeria-dutzende-tote-bei-gewalt-zwischen-christen-und-muslimen-a-898136.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/nigeria-regierung-verstaerkt-kampf-gegen-radikalislamisten-a-900114.html