It’s not rape if you liked it

Vergewaltigung als Diskussionsthema No. 1

Ich weiß, nicht jedes Mädchen hat das Glück seine Unschuld  an Johnny Depp bei Kerzenschein und den Tönen von Oasis’ Wonderwall auf Rosenblättern gebettet zu verlieren, aber 100 Peitschenschläge verordnet zu kriegen, welche nebenbei noch ein gewisses Überlebensrisiko mit sich bringen, finde ich doch etwas extrem.

Dieser Albtraum wurde für ein 15 jähriges Mädchen im Traumland Malediven wahr, der Grund: Vorehelicher Geschlechtsverkehr. Bedenkt man, dass dieses Mädchen über Jahre hinweg von ihrem Stiefvater vergewaltigt, missbraucht und geschwängert und das daraus entstandene Baby vom Vater im Anschluss getötet wurde, ist dieses Urteil besonders bitter. Es ist nicht nur bitter, sondern skandalös.

Die Strände der Malediven sind weiß wie die Weste einer Jungfrau, das Meer blau wie die Treue, die Touristen meist leicht bekleidet und das politische System streng isamlistisch, es herrscht die Scharia. Ersteres wissen die meisten wahrscheinlich über die Maldevinen, letzteres wohl eher nicht. Die Ansichten und Meinungen über einen Fall wie diesen, spalten unsere westliche Gesellschaft und die patriarchischen Systeme wie sie in streng muslimischen Staaten wie den Malediven vorherrschen so sehr wie kaum ein anderes Thema. Vergewaltigung ist in den letzten Monaten zu einem Dauerbrenner in den Medien weltweit geworden. Man erinnere sich an Vorfälle wie den der 23 jährigen Studentin in Indien, die in einem Bus brutal mit einer Eisenstange missbraucht und von mehreren Männer vergewaltigt wurde, um anschließend wie ein benutzes Taschentuch in den Straßengraben geworfen zu werden. Ebenfalls musste ein 5 jähriges indisches Mädchen vor einigen Tagen sein junges Leben lassen, nachdem es brutalst von mehreren Männern vergewaltigt worden war. In Ägypten werden all abendlich Frauen auf dem Tahrir Platz, der Ort an dem vor 1 1/2 Jahren Husni Mubarak gestürzt wurde, teilweise organisiert missbraucht und vergewaltigt, vor allem Journalistinnen aus dem Ausland werden Opfer dieser Übergriffe.

Die Frage, die ich mir immer neben vielen anderen stelle bleibt: Was haben die Typen eigentlich für ein Problem? In muslimischen Staaten ist die Frage der Ehre der zentrale Dreh -und Angelpunkt dieses Problems. Denn im Gegensatz zu uns westlichen Nationen, die in einer Vergewaltigung einen deutlichen und schweren Angriff auf die Seele und den Körper einer Frau sehen, bedeutet in den traditionellen Ländern die „Entweihung” der Frau, auch durch Vergewaltigung, eine Verletzung des „Besitztums” eines Mannes und somit einem Angriff auf dessen Ehre.burka1 Dank der Globalisierung hat die Gleichstellung der Frau, die vor der Reformation auch in Europa ein Fremdwort war, notwendig gemacht. Eine Gesellschaft, die nur auf  Wachstum, Konsum und Gewinn aus ist, kann auch schwer auf 50% seiner Bevölkerung verzichten. In einer Gesellschaft, wo diese Entwicklung aber nicht passiert ist oder noch in den Kinderschuhen steckt wie es in Indien, dem nahen Osten oder Nordafrika der Fall ist, stagniert die Rolle der Frau in ihrem mittelalterlichen Zweck der Reproduktion, der durch Fremdeinwirkung gefährdet wird und somit die Frau unbrauchbar macht. Da die Frauen karrierelos, ungebildet und dadurch ja irgendwie ohne wirkliche Definition ihrer selbst gehalten werden, können sie so großartig kontrolliert werden.

Dass dieses Thema im Moment dermaßen viel mediale Aufmerksamkeit erfährt, liegt wohl auch daran, dass es zum Ausdruck bringt wie wir uns, unsere Gesellschaft und unsere Rolle in ihr definieren. Kämpfe wegen Nationalismus, Ideologien oder religiöser Ansichten gehören vor allem für die jüngeren Generationen eher der Vergangenheit an, da durch forschreitenden Zusammenwachs und die Liberalisierung diese Thema sich selber überlebt haben. Jedoch Werte, sexuelle Befreiung und die Umverteilung der Geschlechterrollen, sehr wohl auch was dies für die Männer bedeutet, wird zunehmend präsenter in unserem Leben.

Das ein schreckliches Thema wie Vergewaltigung auf so verschiedene Arten bewertet werden kann ist schwer vostellbar. Die Zahl der Vergewaltigungen wird weltweit wohl nicht besonders zugenommen haben, vergewaltigt wurde schon immer und es wohl auch kein Ende in Sicht. Aber die Aufmerksamkeit und die Berichterstattung ist viel intensiver geworden, was Mädchen wie der armen Seele auf den Malediven, einem Land dass von Tourismus lebt und auf einen guten Ruf in der westlichen Welt angewiesen ist, nur zugute kommen kann. Jeder Mensch verdient ein selbsbestimmtes, freies Leben, in der sein Geschlecht und was derjenige damit macht und mit wem, kein lebensbedrohlicher Faktor für sie oder ihn darstellen sollte. Denn Sex bleibt dann doch die schönste NEBENsache der Welt.

 

 

Quellen:

http://www.avaaz.org/de/maldives_global/?fp

http://www.welt.de/politik/ausland/article113310044/Brutale-Vergewaltigungen-im-Schatten-des-Tahrir.html

http://www.focus.de/panorama/welt/scharia-auf-den-malediven-vergewaltigtes-maedchen-erhaelt-100-peitschenhiebe_aid_929887.html