China besetzt Indien: Kashmir-der Zankapfel Asiens

Drei Nationen beanspruchen ein Gebiet am Himalaya-Gebirge. Zwischen Indien und Pakistan gibt es seit dem Krieg um dieses Gebiet keinen Friedensvertrag und beide akzeptieren die Grenzziehung durch die Vereinten Nationen seit 1949 nicht. Ein indischer Spion wurde in Pakistan zum Tode verurteilt und starb gestern an einer Steinigung durch seine Mithäftlinge. Chinas Machtbestrebungen zeigen sich aktuell auch hier. Soldaten der chinesischen Armee haben indisches Staatsgebiet besetzt. Immer wieder gibt es Grenzübertritte der Soldaten. Damit wird der Konflikt zwischen den zwei Großmächten Asiens immer brisanter, während er zwischen Pakistan und Indien schon zum Ritual geworden ist.

Eine Straße verbindet Indien und Pakistan und jeden Abend wird hier die Grenze geschlossen. Ein großes Spektakel für Jung und Alt. Fast zwanzigtausend Zuschauer begleiten diesen feierlichen Akt zwischen den beiden verfeindeten Staaten. Die Grenzsoldaten, die die Zeremonie durchführen werden bejubelt und angefeuert, wobei sich die beiden Lager immer in der Lautstärke übertrumpfen wollen. Für westliche Augen ein äußerst witziges Schauspiel. Für die Inder und Pakistaner eine kollektive Instanz des Erinnerns, an einen Konflikt der seit 1947 stillsteht und immer wieder von kleinen Scharmützeln überschattet wird.

Pakistan präsentiert sich als unruhiger Nachbar

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Die Haftbedingungen für Inder, die in pakistanischen Gefängnissen landen sind schlecht. Sie werden ständig von Übergriffen bedroht. Gestern um 1 Uhr Ortszeit starb ein indischer Spion, der in Pakistan zum Tode verurteilt wurde an den Folgen eines Gefängnisaufstandes, bei dem er von Mithäftlingen gesteinigt wurde. Vor 16 Jahren setzte der damalige Präsident Pakistans, Pervez Musharraf, die Hinrichtung aus. Alle Bestrebungen den indischen Staatsbürger begnadigen zu lassen, blieben jedoch erfolglos. Die Feindschaft beider Völker sitzt tief, nicht zuletzt sieht man dies auch an dem Grenzspektakel. Die Spaltung und der Konflikt sind auch religiöser Natur. Während in Indien Hindus leben, sind es in Pakistan Muslime. Durch Chinas Machtbestrebungen kommen auch noch Buddhisten hinzu. Allerdings kommt diese Konkurrenz der Religionen den jeweiligen Machthaber nur gelegen um ihre eigenen Machtansprüche zu festigen.

Pakistan, der kleinste der drei Kontrahenten weiß um seine Stellung als Atommacht und sieht sich dennoch einer Übermacht im Osten gegenüber. Indien ist Pakistan wirtschaftlich und militärisch weit überlegen. Deshalb fiel es China leicht, Pakistan als Partner an sich zu binden und so seinen Einfluss auf die AfPak-Region (Afghanistan-Pakistan) zu gewinnen. Daher wird der heilige Krieg, den afghanische und pakistanische Fundamentalisten führen indirekt von China unterstützt.

Chinas will Asiens Potentat werden

Warum ist der Kashmir für China überhaupt interessant? Es handelt sich ja schließlich um ein relativ kleines Gebiet, das in chinesischer Richtung auf ca. 5000 Metern Höhe liegt und so gut wie unbewohnt ist. Allerdings grenzt dieses Gebiet an zwei Regionen im Staatsgebiet Chinas, die immer wieder von Aufständen separatistischer Gruppen erschüttert werden. Tibet und Xinjiang. Von den tibetischen Aufständen erfährt man in den westlichen Medien häufiger als von denen der Uiguren in Xinjiang. Der Punkt der für China wichtig ist, ist die Kontrolle über diese Gebiete zu behalten. Von der Region Kashmir aus ist diese Kontrolle besser zu bewerkstelligen, weil sie die einzige überquerbare Grenze zwischen den Bergen darstellt. Mit seiner engen Bindung zu Pakistan tritt China offen Indien entgegen und damit in einen Machtkampf auf dem asiatischen Kontinent ein.

http://www.postwesternworld.com/images/2012/05/china-india.jpg

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Die Chancen liegen dabei eindeutig auf Seiten der Chinesen, die Indien wirtschaftlich und militärisch überlegen sind. Indien sieht sich deshalb in die Deffensive gedrängt und auch wenn klar ist, dass chinesischen Soldaten immer wieder die Grenzen überschreiten, sind der indischen Regierung dabei die Hände gebunden. Zwar gibt es Stimmen im Land, die ein sofortiges militärisches Eingreifen fordern, aber Realpolitiker werden diesen Schritt wohl kaum wagen.

Chinesische Soldaten dagegen gehen mit viel Selbstbewusstsein in fremdes Gebiet und hinterlassen als Zeichen ihrer Anwesenheit chinesische Zigarettenschachteln und schreiben Schriftzeichen an Häuserwände. Gestern haben sie auf indischem Staatsgebiet Stellung bezogen. Im chinesischen Staatsfernsehen wurde dies mit der Begründung dementiert, der Grenzkonflikt sei nicht gelöst und daher kann von indischem Staatsgebiet nicht gesprochen werden. Insgesamt reihen sich auch diese Vorfälle ein in ein generelles Ausbreiten des chinesischen Einflusses auf dem asiatischen Kontinent. Mit Japan gibt es Streit um drei winzige Inseln (Senkaku-Inseln) im chinesischen Meer, und auch die Seegebiete in Indonesien und vor Vietnam sind Streitpunkte mit Staaten die sich kaum wehren können.

Wenn der Konflikt eskaliert muss Indien sich zurückziehen

China unterstütz seit kurzem offen die Gebietsansprüche der Pakistaner und macht sich im Falle einer Eskalation so zu Pakistans Verbündeten. Sollte es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen unter den Staaten kommen, so sind die Chancen für Indien einen solchen Krieg zu gewinnen eher gering. Das Potential aller Beteiligten ist sehr hoch, da alle drei Atommächte sind. Der Preis für Indien wäre zu hoch, für einen kleinen Landstrich in dem es, wie auch in China separatistische Aufstände gibt, das Leben so vieler Bürger zu riskieren. Für China bedeutet dies eine gute Ausgangsposition in diesem Konflikt und es kann sich mehr auf den ostasiatischen Raum konzentrieren, wo das Wettrüsten mit den USA begonnen hat. Die ablehnende Haltung Indiens bezüglich einer Einmischung der USA in den Kashmir-Konflikt spielt China dabei ebenfalls in die Karten.

Der Konflikt in der Kashmir-Region ist älter als der Nahostkonflikt und mittlerweile für Indien und Pakistan ein kollektives Museumsstück. China hingegen wittert hier die Chance auf mehr Einfluss und mögliche Zugänge zum arabischen Meer. Bei einer Eskalation wären die Ausmaße verhehrend und es bleibt nur zu hoffen, dass diplomatische Machtspiele ausreichen um das zu verhindern.

Bezüge:

http://www.tagesschau.de/ausland/indien-pakistan106.html

http://www.tagesschau.de/ausland/indien-pakistan104.html

http://www.tagesschau.de/ausland/indien-pakistan102.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/haft-in-pakistan-indischer-spion-singh-stirbt-nach-brutaler-attacke-a-897626.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/bild-897632-490995.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Kaschmir#Kaschmirkonflikt