Tansania – Jagdtourismus gefährdet gleich zwei Ureinwohner Afrikas

Landraub ist kein neues Thema für den afrikanischen Kontinent und anscheinend auch längst kein abgeschlossenes. Leider.

 Tansania lebt vom Tourismus. Auch ich liebte „Serengeti darf nicht sterben“ und schaue mir bis jetzt jede Löwendoku die mir unter meine europäischen Augen kommt fasziniert und begeistert an. Doch welchen Preis dieser „Öko-Tourismus“, wie die Regierung ihn selber betitelt, auf die Ureinwohner hat ist nahezu unbekannt. Auch ich wusste nichts davon bis ich diese Woche folgenden Link zu einer Unterschriftenaktion in meinem E-mail Postfach vorfand:

http://www.avaaz.org/de/stand_with_the_maasai_loc/?bAGuLcb&v=23506

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Die Massai, weltweit bekannt durch ihre traditionelle rote Kleidung, Perlenschmuck und gruselige Hausmannskost ( Milch mit Ziegenblut) müssen zurzeit wieder mal feststellen, wie scheisse eigentlich alle Ausländer sind. Seit über 60 Jahren sieht sich das friedliche Nomadenvolk konfrontiert mit Landvertreibungen und Umsiedelungen, forciert von ausländischen Investoren und der eigenen Regierung, die nicht nur ihre Kultur und das Ökosystem, sondern gar ihre Existenz massiv bedrohen.

Nun steht die Vertreibung weiterer 40.000 Massai aus dem Loliondo-Gebiet kurz bevor. Auslöser ist der arabische Konzern OBC (Ortello Business Corporation), der in besagtem Gebiet einen sogenannten „Wildlife Corridor“ zur touristischen Nutzung einrichten will, der rund 40% der Weideflächen, die von den Massai genutzt und benötigt werden unzugänglich machen wird.

Aber das beste kommt ja noch: Wer bei Safari an sommersprossige Europäer in beigen Leinenklamotten denkt, die in mit Zebrastreifen angepinselten Jeeps durch die Steppe düsen und Fotos schießen irrt sich. Geschossen wird hier anders. Nämlich von reichen Scheichs (oder wer sich sonst die 49.000 Glocken leisten kann) auf Löwen und Elefanten. 1992 erwarb die OBC die Pachtrechte an dem Loliondo-Gebiet und besitzt die Jagdrechte in dem rund 4000 Quadratkilometer großen Gebiet, was sie seitdem Terror in Form von Versuchen der Zwangsvertreibung der Massai und deren unprofitablen Lebensweise, Hausabrennungen und Gewaltauschreitungen gegen dieses Volk ausüben lässt. Natürlich bleibt dieses Vorhaben nicht ohne Rechtfertigung. Schaffung von Arbeitsplätzen, Zivilisation und Verbsserung der Lebensgrunlagen für die Einwohner, sind die Argumente, die die Stellevertreter der Tourismusunternhemen aufzählen. Die Jagd sei außerdem auf 4 Löwen pro Kopf limitiert. Aber unter uns: Welcher Massai, kann einen Job als Kofferschlepper für fette Amerikaner mit seinem Stolz, seiner Tradition und seiner Kultur vereinbaren? Und ob es jetzt 4 oder 14 Löwen waren die geschossen wurden, wer da zählt da mit? e8ac4f82-9c87-49dc-ace3-0560d28c678c

 Aufgrund des medialen Aufschreis und des öffentlichen Drucks nachdem dieser Dr. Evil Plan letztes Jahr ans Licht kam, durften die Massai in ihre Weidegründe zurückkehren. Doch für wie lange? Dass die Massai der Regierung nur für Fotos und Tanzaufführungen in Luxus Hotelanlagen gut genug sind, ist klar, schließlich bringt der Jagdtourismus mit schlappen 80 Millionen $ mehr ein als bunte Perlenkettchen und Touribilder (nebenbei: Wo dieses ganze Geld hinfließt, ist auch etwas undurchsichtig, in die lokalen Kommunen auf jeden Fall nicht). Doch der Ruf , den Tansania zu verlieren hat, das bereitet den ehrenwerten Herrschaften der Regierung doch die ein oder andere schlaflose Nacht.

Das bedeutet die einzige Chance, die die Massai und nicht zuletzt die kleinen Simbas und Nalas haben, ist weltweite, mediale Aufmerksamkeit und Engagement, damit diese Welt nicht noch mehr entzaubert wird, als sie es ohnehin schon ist.

Quellen:

http://www.guardian.co.uk/world/2009/sep/06/masai-tribesman-tanzania-tourism

http://www.tourism-watch.de/content/jagdtourismus-verdr%C3%A4ngt-massai

http://www.guardian.co.uk/world/2013/mar/30/maasai-game-hunting-tanzania

http://www.avaaz.org/de/stand_with_the_maasai_loc/?bAGuLcb&v=23506