Die neue Rolle der Türkei im Nahen Osten

Die Zentren der Konflikte die die Welt bewegen befinden sich im nahen Osten und im ostasiatischen Meer. Bei beiden Schauplätzen spielt die USA die größte Rolle aller nicht direkt am Konflikt beteiligten Mächte. Doch es ist klar, dass der Einfluss und das Mitspracherecht der USA nur durch seine militärischen Kapazitäten errungen werden. Bei einer lahmenden Wirtschaft und großen Problemen im eigenen Land ist für die USA der Status als allseits mobile Supermacht nicht länger haltbar.

http://ddc.arte.tv/unsere-karten/die-tuerkei-rueckkehr-in-den-orient

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Barack Obama muss um auch weiterhin die Stabilität in den Konfliktregionen aufrecht erhalten zu können an seine Verbündeten wenden. Da die USA ihre Bemühungen zur Ausdehnung ihrer Einflusssphäre stärker auf den pazifischen Raum konzentrieren, um dem Expansionswillen der Chinesen etwas entgegen zu setzen, müssen sie Kapazitäten aus dem nahen Osten abziehen. Auf diese Weise entsteht dort ein Machtvakuum, welches die USA nicht unausgefüllt anderen Staaten überlassen kann, die ihnen und Israel womöglich feindlich gesinnt sind. Also muss ein alliierter Staat in diesem Gebiet quasi als stäkerer Akteur eingebunden werden. Für diese Rolle kommt in der Region nur die Türkei in Frage, da alle anderen Staaten entweder feindlich oder militärisch zu schwach sind. Letzteres trifft zum Beispiel auf die Golfstaaten zu.

Was macht die Türkei zum Wunschkandidaten?

Die Türkei wiederum bietet sich für diese Rolle besonders an, da seine geografische Lage für die militärische Versorgungssicherheit aus Europa ideal ist. Außerdem ist die Türkei der erste Staat gewesen, der Israel anerkannt hat und über lange Jahre ein verlässlicher Partner für Sicherheitsfragen war (Stationierung von Raketenabwehrschirm). Außerdem würde eine stärkere Einbindung der Türkei dem Friedensprozess gut tun, da der Dialog zwischen der Türkei und den Staaten der arabischen Liga und dem Iran etwas besser läuft als mit den USA oder der EU.

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/israel/7933946/Benjamin-Netanyahu-to-testify-at-Gaza-flotilla-raid-inquiry.html

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Allerdings hatte sich die Türkei in den letzten drei Jahren allen diplomatischen Wegen mit Israel verschlossen, da in der Flotilla-Affäre türkische Staatsbürger ums Leben kamen. Eine Entschuldigung blieb die israelische Führung lange schuldig und diese geschah vor kurzem auf Druck Obamas. Direkt im Anschluss besuchte Kerry die Türkei um weitere sicherheitspolitische Fragen mit Erdogan zu besprechen. Während also die USA den Friedensprozess vergeblich versuchen zum Laufen zu bringen, bereiten sie gleichzeitig ihren Rückzug aus diesem Konflikt vor. Die Vermittlerrolle der Türkei ist dabei ein idealer Ausgleich den Konflikt nicht gänzlich sich selbst zu überlassen und vielleicht die Chancen für einen Friedensvertrag zu erhöhen. Die Türkei ist aufgrund der Abwendung von Israel, nämlich auch Gesprächspartner sowohl der Fatah im Westjordanland, sowie auch der Hamas im Gaza-Streifen geworden.

Ein guter Deal für Erdogan
http://az.trend.az/news/politics/2136434.html

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Welchen Vorteil sollte aber die Türkei daraus ziehen, sich in einen quasi ewigen Konflikt einzumischen? Dazu kann man drei wesentliche Punkte anführen. Erstens werden in der Einbindung durch den Westen immense vor allem auch finanzielle Zuwendungen fließen, die der wachsenden Wirtschaft des Landes stärkeren Aufschwung ermöglichen würde. Zweitens ist eine sicherheitspolitische Verknüpfung mit der EU und den USA ein garant für die Sicherheit im eigenen Land, die aufgrund einer direkten Grenze zum Iran eventuell wichtig werden könnte. Und drittens ist durch die Schwäche Syriens und des Irak eine Ausweitung der Einflusssphäre bis an den persischen Golf möglich.

Nun geht es um die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Israel. Für die Türkei ist das zwar vorteilhaft, für Israel jedoch fast schon überlebenswichtig, was natürlich den türkischen Preis dafür in die Höhe treibt. Erdogan fordert in diesem Zuge den Stop des Siedlungsbaus. Dies ist wiederum eine Grundvorraussetzung für Frieden seitens der Palästinenser und damit für den Friedensprozess nur förderlich.

Ich sehe die Rolle der Türkei im Nahostkonflikt sehr positiv und denke, dass der Hass und die Feindschaft zwischen der arabischen und der westlichen Welt mit ihrer Unterstützung ein wenig gemindert werden kann. Ob sich eine Lösung oder gar ein Friedensvertrag mit zwei Staaten entwickeln kann bleibt fraglich. Zu hoffen wär es ja.

 

 

Bezüge:

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/tuerkischer-ministerpraesident-erdogan-will-bald-in-den-gazastreifen-reisen-12126606.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/nahost-kerry-reist-ohne-ergebnis-aus-israel-ab-12142825.html

http://de.qantara.de/Neues-Selbstbewusstsein-der-Regionalmaechte/20178c21956i1p496/index.html