Der tanzende Elefant

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Im Zuge meiner Reise nach Indien in drei Wochen, habe ich mich intensiv mit diesem komplexen Land auseinandergesetzt. Ein Land in dem es scheinbar unendlich viele Götter gibt, wo Aberglaube eine Definition erlangt, wo tatsächlich in Schubladen gedacht wird und man die Linke mit der rechten Hand bloß nicht vertuen sollte.

Ich bin unwahrscheinlich aufgeregt mit diesen Bräuchen, dem Getümmel und der nicht greifbaren Gegensätzlichkeit konfrontiert zu werden. Der Gegensatz ist die Motivation und Faszination meines Beitrags. Das Thema.

Zuerst einmal sprechen wir vom ersten Gegensatz, den Kasten:
Brahamanen (= Krieger)
Ksatriyas (= Lehrer)
Vaisyas (= Geschäftsleute und Bauern)
Sudras (= Arbeiterklasse)

Auch wenn wir unsere gesellschaftlichen Schichten irgendwo wiederkennen, ist die strikte Unterscheidung in Indien sehr ernst genommen. Nehmen wir Mukesh Abani, er baut ein Haus, das über eine Milliarde Euro kosten wird. Nun haben wir einen ‘Krieger’, der sich ein Haus in der Nähe eines der größten Slums Indiens baut, in Mumbai. Und die ‘Vaisyas’, die den Maoismus verschreien, weil man sich einfach nicht über das Andra Pradesh Gebiet einig wird und die Cybercities Bangalore und Hyderabad, die mehr Technologie verbreiten, als unsere IPhone Gesellschaft es sich vor zu stellen vermag.

Ich darf euch ebenfalls den größten Waffenimporteur weltweit vorstellen! Atomwaffensperrvertrag? Gibt’s nicht! Und allein diese Tatsache lässt den Elefanten Tango tanzen. Waffen sind Macht und die überaus rasche Entwicklung durch Outsourcing von internationalen Firmen in Indien schafft starke Infrastruktur und Arbeitsplätze. Satelliten werden ins All geschickt, Mars Aktionen geplant und die Investition in erneuerbare Energien sind lukrativ. Ich könnte eine Statistik nach der anderen aufführen, die die Zahlen und den unaufhaltsamen Aufschwung Indiens beweisen und scheinen lässt, dass wir es mit einer außerordentlichen ‘Dritte-Welt-Macht’ zu tun haben. Die größte Demokratie der Erde hat sich selber aus dem Sumpf gezogen? Elite-Universitäten, Bollywood als erfolgreichste Filmproduktion weltweit…. Es glänzt und funkelt gar so farbenfroh, wie man sich Indien doch auch vorstellt.

Leider muss man dennoch feststellen, dass es immer Schattenseiten gibt und auch hier der Elefant eigentlich im Porzellanladen steht. Denn jedes dritte Kind ist unterernährt, zwei Drittel der Bevölkerung leben von weniger als einem Dollar, nur jeder Zweite hat Zugang zu einer Toilette, Analphabetismus liegt weiterhin bei 25%, sowie eine Stromversorgung, die letztes Jahr 700 Millionen Menschen ohne Wasser und Licht gelassen hat, weil einfach versagt und keine Lösung gefunden wurde.

Hinzu kommen die innerpolitischen Differenzen. Andra Pradesh, eine Gegend von Bauernaufständen geprägt. Teilweise zu Recht. Da wird den Bauern ein Pestizid aus dem Westen aufgedrängt, alles sprießt und gedeiht und nach der dritten Ernte ist der Boden so verdorben, dass man weitere Bepflanzung vergessen kann und muss. Aber keine Sorge, die Regierung in Neu Delhi hat schon für neuen Boden gesorgt, indem sie Land in Äthopien gekauft haben. Hm.

In Anbetracht dessen wollen wir nicht vergessen, dass 14% des Bruttoinlandsprodukt von der Landwirtschaft kommt. Auch wenn die Regierung theoretisch Klauseln aufstellt, die den Ärmsten helfen sollen, kommt es verstärkt zu Aufständen. Maßnahmen, wie 100 bezahlte Arbeitstage für ökonomisch unpreveligierte Haushalte und freies Mitagessen in Schulen sind feine Züge…

Aber hast du schon mal einen wütenden Elefefanten gesehen? Oder zumindest einen, der sein Junges verteidigt? Oder gar einen hungrigen Elefanten? Obacht, die Aufstände sind lange kein Akt der Verzweiflung mehr, sie sind eine ernst zu nehmende Bewegung , geprägt vom Maoismus, unterstützt von den geographischen Problemen, die hinzukommen, was das Himalayagebiet angeht und wo wir es mit dem Drachen zu tun bekommen…. China und das Alternivmodell, politisch und gesellschaftlich.

Und hier ist es wieder, der Gegensatz. Ich, ganz persönlich, führe diesen offensichtlichen Missstand auf die Kastenform zurück. Mal ganz vereinfacht:Hier kämpfen quasi die oberen zwei gegen unteren zwei. Hinzu kommt, dass die alte Empiremacht, das Vereinigte Königreich,durch geschichtliche Vorkommnisse, das Land sehr geprägt hat. Und nun haben sie Indien auch tatsächlich noch die Entwicklungshilfegelder gestrichen. Man brauche es nicht mehr. Deutschland zahlt nach wie vor mit der Begründung, dass noch zu viele Menschen hungern müssen.

Mir ist ein wenig mulmig, so voreingenommen nach Indien zu gehen, aber ich will und werde mich treiben lassen, entlang des Ganges und die Farben des Holifestivals erleben und dem Elefanten einmal ganz tief in die Augen schauen!