Eine brasilianische Atomwaffe?

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kehrtwende-in-atompolitik-bruederle-stellt-buergschaft-fuer-brasilien-in-frage-a-752735.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kehrtwende-in-atompolitik-bruederle-stellt-buergschaft-fuer-brasilien-in-frage-a-752735.html

Für die zivile Nutzung der Kernenergie braucht man schwach angereichertes Uran. Für dieses gibt es einen Markt (hab ich auch noch nicht gewusst). Was nicht weiter erstaunt, ist, dass natürlich die etablierten Atommächte diesen Markt kontrollieren. Allerdings tun sie dies nicht als einheitliche Front, sodass Marktschwankungen durchaus an der Tagesordnung sind. Jetzt will die internationale Atomenergiebehörde eine Lösung finden um die Bestände an schwach angereichertem Uran für alle zu sichern, die Atomkraftwerke betreiben.

Brasilien zum Beispiel ist ein Abnehmer solch schwach angereicherten Urans und begibt sich damit in eine Abhängigkeit von westlich Zulieferern. Da aber Brasilien einen massiven Ausbau der Kernenergie als Versorgungsstandbein plant, ist eine solche Abhängigkeit keinesfalls zu akzeptieren. Ergo müsste Brasilien selbst Uran anreichern, an dessen natürlicher Form es das sechstgrößte Ressourcenvorkommen der Erde haben. Um aber Brasilien von diesem Schritt abzubringen versucht eben die IAEO eine Verteilung und sichere Versorgung auf Jahre hinaus zu garantieren, indem ein Lager von 60 (Vorschlag Deutschland) bzw. 120 Tonnen (Vorschlag Russland) auf exterritorialem Gebiet eingerichtet werden soll.

http://www.blickpunkt-lateinamerika.de/hintergrund/msgf/lateinamerika:_ein_kontinent_ruestet_auf.html

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Nun hat aber Brasilien weitergehende Interessen an angereichertem Uran. So sind atomgetriebene U-Boote schon lange auf der Wunschliste der Regierung und des Militärs. Und auch die Etablierung von Atomwaffen schließt gerade der Vizepräsident José Alencar nicht aus als er 2009 sagt, dass Atomwaffen als Abschreckung für ein Land mit einer 15.000 Kilometer langen Küste durchaus nützlich wären. Dennoch kann man davon ausgehen, dass Brasilien nicht weiter an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitet, da die Verfassung von 1988 die atomare Bewaffung verbietet. Außerdem hat Brasilien den Vertrag von Tlatelolco unterschrieben, der Südamerika als kernwaffenfreie Zone deklariert.

Dennoch hat Brasilien lange Zeit ein Anreicherungsprogramm mit eigenen Zentrifugen betrieben und die Zusammenarbeit mit der IAEO beschränkt sich auf das Minimum, das noch akzeptiert wird. Die Frage ist nun inwieweit die Position Brasiliens, das auf die zivile Nutzung der Kernenergie angewiesen ist, eine eigene Anreicherung legitimiert oder ob die Atommächte weitreichendere Zugeständnisse machen sollte hinsichtlich der Versorgungssicherung?

 

Bezug: http://www.swp-berlin.org/de/publikationen/swp-aktuell-de/swp-aktuell-detail/article/brasilien_und_die_multilateralisierung_des_brennstoffkreislaufs.html