RE: “Freiheit für Palästina”- aber da leben nein danke.

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Ich möchte an dieser Stelle einen Kommentar abgeben zu einem Artikel in der neuesten Ausgabe der Titanic. Und zwar beschreibt Stefan Gärtner die Unterstützung, die das palästinensische Volk seitens vieler Westler erfährt und die Kritik die dabei gegenüber der israelischen Regierung/ Besatzung entgegengebracht wird als ein Wiederkäuen “antiisraelischer, antijüdischer und >antizionistischer< Ressentiments” und prangert an, dass diese als Solidarität mit Unterdrückten getarnt wird.

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http://tilmantarach.blogspot.de/

Herr Gärtner bemüht dabei aufwendig Zitate und gibt seinen Bedenken noch eine theoretische Grundlage, indem er anhand von Aussagen Tilman Tarachs in seinem Buch “Der ewige Sündenbock” (Gärtner nennt es ein “Standardwerk”, aber wofür?) seine Argumentation aufbaut. Das “o” im Titel des Buches wurde durch den Davidstern ersetzt, was für mich einen eher unwissenschaftlichen Touch hat.

Ohne gelesen zu haben was in diesem Werk steht erlaube ich mir dennoch einige Aussagen zu treffen zur ewigen Schwarzmalerei aller Kritik die ein Deutscher wohlgemerkt an der israelischen Regierung (nicht am Volk, an der Rasse o.ä.) übt. Dabei sollte vor Allem auch deutlich klar sein dass Israel als Staat und seine Regierung uneingeschränkter Machthaber in der Region ist und somit eigentlich einziger Motor für den Friedensprozess sein sollte. Die Regierung Netanyahu treibt aber eine andere Form von Prozess voran.

So wird außenpolitisch abgeschreckt indem man Angriffe auf den Gaza-Streifen fliegt. Weiterhin werden Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten gebaut, deren Mauern ein Leben der Palästinenser dort unmöglich macht (einige Kleinstädte besitzen keinen Landweg mehr zu Ramallah). Den zweiten Punkt erwähnt Herr Gärtner in seinen Darstellungen erst garnicht, weil daran wohl das Bild der “ewigen Sündenböcke”, welches er zeichnen möchte kaputt ginge.

Dass die Hamas keine freiheitlich demokratische Vereinigung ist, ist jedem der sich an der Debatte beteiligt völlig klar, aber dennoch ist sie in Gaza demokratisch legitimiert. Die Fatah, die gemäßigte Bewegung für die nationale Freiheit Palästinas dagegen ist sogar Verhandlungspartner der Vereinten Nationen. Und selbst Ban Ki Moon, der UNO-Generalsekretär appeliert an Israel seinen Siedlungsbau zu stoppen.

Deshalb glaube ich nicht, dass allgemeine Kritik an der Regierung Israels so unangebracht ist, wie Herr Gärtner die in seinem Artikel darstellt, sondern die Hinwendung des Westens zu den Arabern geschieht im Kanon der demokratischen Prozesse, die in der gesamten arabischen Welt von Statten gehen, sollten Israel eher als Warnung dienen, weil der Regierung auf der Ebene internationaler Beziehungen langsam aber sicher die regionalen Freunde ausgehen. So wird der Friedensvertrag von Camp David mit den Ägyptern wohl bald neu verhandelt werden müssen, weil den Muslimbrüdern die Konditionen nicht passen. Die Türkei ist seit der Flotilla-Affäre auch sehr zurückhaltend geworden und der Rest der arabischen Staaten in der Region ist Israel ohnehin feindlich gesinnt. Warum also die fehlende Stabilität weiter zuspitzen indem man palästinensische Flüchtlingslager räumt um weiter Siedlungen bauen zu können?

Ich halte die Darstellungen des Herrn Gärtner für nicht durchdacht und dass er dann am Ende die Ausländerfeindlichkeit der Deutschen als die “üblichen” Gründe für eine Solidarität mit der Palästinensischen Freiheitsbewegung nennt, hat mich dann zum Lachen gebracht. Das schafft die TITANIC ja immer irgendwie.

 

http://www.titanic-magazin.de/inhalt_1302.html