Pakistan und der Oberste Gelehrte des Osmanischen Reiches

Der Lange Marsch Maos, ist jedem Revolutionsführer ein glänzendes Vorblid für die eigene Sache. Wurde eben dieser während dem Arabischen Frühling von Rebellengruppen ausgerufen, so stand vor wenigen Tagen ein hagerer Geistlicher, mit fein gestutztem weißen Bart, etwas plump wirkender, golden umrandeter Brille, auf einem Podium, vor einer bunten Menschenmasse, mitten in der ostpakistanischen Metropole Lahore, und predigte gekonnt revolutionär, “Wenn diese Diebe nicht in Pakistan regiert hätten, würde heute jedes Kind in Pakistan ein Lächeln auf dem Gesicht haben“, und versprach den begeisterten Menschen “Heute oder morgen wird diese Regierung aufgelöst”

qadri

Tahir-ul-Qadri ist der Name des Religionsgelehrten und Juraprofessor , den vor ein paar Monaten, wohl ein Großteil der Pakistaner nicht kannten. Der Geistliche lebte mehrere Jahre in Kanada, und tauchte plötzlich im Dezember 2012 in Pakistan auf. Sofort begann er damit, das Land zu bereisen, die Massen zu mobilisieren, um gegen die Regierung zu hetzen.

In Lahore rief er dann den Langen Marsch aus, den zweiten „Tahrir-Platz“ soll es in der Hauptstadt, Islamabad geben. „Die korrupte Regierung soll zurücktreten“ fordert er immerzu, sowie noch mehr revolutionäres Geplänkel, das aber das richtige Ventil der Bevölkerung trifft. Nach einer Woche strömen die Massen in die Hauptstadt, und demonstrieren Tag und Nacht, bis  die Regierung einknickt. Neuwahlen wurden bis spätestens 6. Mai ausgerufen. Das war einfach. Die Regierung , die erste demokratisch gewählte Regierung in Pakistan, ist seit vier Jahren an der Macht, Neuwahlen sind so oder so im Frühjahr.

Interessant zu beobachten wird sein, wie sich Tahir-ul-Qadri während den Wahlen verhält. Zum Teil waren seine Äußerungen radikal und illusorisch, kritisierte selbst die Opposition. Er selbst nannte sich während dem Protest “Scheikh ul Islam” -- das war der Titel des Obersten Gelehrten im Osmanischen Reich.

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Zu diesem Thema werde ich mir noch folgende Gedanken machen, und bei Gelegenheit ausführen:

Die von westlichen Kolonialmächten gezogenen Grenzen, und die dadurch verlorene kulturelle Identität erschweren eine stabile Regierung. Seit der Gründung Pakistans (1947) regierten größtenteils Diktaturen. Die Nähe zu Afghanistan und den Taliban. Pakistan ist eine Atommacht.